Bangladesh-Abkommen (Accord)


Kompakt erklärt

Das Bangladesh-Abkommen (Accord on Fire and Building Safety) ist ein rechtlich bindendes Abkommen zwischen internationalen Modekonzernen und Gewerkschaften, das die Sicherheit von Textilfabriken verbessern soll. Unterzeichnet wurde es am 15. Mai 2013, nur drei Wochen nach dem Einsturz der Rana-Plaza-Katastrophe, bei dem über 1.100 Menschen starben.

Anders als freiwillige Selbstverpflichtungen der Modeindustrie ist das Abkommen rechtlich einklagbar: Unterzeichnende Unternehmen müssen unabhängige Fabrikinspektionen zulassen, deren Ergebnisse veröffentlichen und Sicherheitsrenovierungen mitfinanzieren. In den ersten zehn Jahren wurden fast 56.000 Inspektionen in über 2.400 Fabriken durchgeführt, von rund 170.000 gefundenen Sicherheitsmängeln wurden etwa 140.000 tatsächlich behoben.


Für Neugierige

2021 wurde das Abkommen als „International Accord“ erneuert und inhaltlich erweitert: Statt nur Brandschutz und Gebäudesicherheit deckt es jetzt allgemeinen Arbeitsschutz ab und verpflichtet Unternehmen auch zu menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht in ihren globalen Lieferketten. Über 220 Markenunternehmen haben inzwischen unterschrieben, mehr als 70 Millionen US-Dollar wurden in Sicherheitsrenovierungen investiert, und ein unabhängiges Beschwerdesystem hat bereits über 6.000 Fälle bearbeitet. Das Modell wurde auch auf Pakistan ausgeweitet.

Kritiker*innen weisen trotzdem darauf hin, dass verbesserte Gebäudesicherheit allein die strukturellen Probleme der Branche nicht löst: Niedrige Löhne, fehlende Gewerkschaftsfreiheit und Druck durch immer kürzere Lieferzeiten bleiben weitgehend unangetastet. Auch ein sicheres Gebäude schützt nicht vor Prekarisierung und Ausbeutung innerhalb seiner Wände.

Quelle: International Accord: A decade of workplace health and safety under the Accord


Verwandte Begriffe: Rana-Plaza-Katastrophe · Näherinnen (Berufsbild & Arbeitsbedingungen) · Triangle-Shirtwaist-Fabrikbrand · Existenzlohn · Lieferkettensorgfaltspflicht




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