Einfach erklärt
Zootierhaltung bezeichnet das dauerhafte Halten von Wildtieren in zoologischen Gärten, meist mit den erklärten Zielen Bildung, Forschung, Erholung und Artenschutz. Moderne Zoos verweisen dabei besonders auf ihre Rolle bei der Erhaltungszucht: In Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEPs) des Zooverbands EAZA koordinieren Zoos die Fortpflanzung bedrohter Arten, um genetisch gesunde Populationen als Reserve zu erhalten.
Wie oft das tatsächlich in ausgewilderte, frei lebende Tiere mündet, ist umstritten: Laut Deutschem Tierschutzbund wurden zwischen 2005 und 2020 nur 149 Tiere geschützter Arten aus deutschen Zoos für Auswilderungsprojekte abgegeben, bei rund 170.000 Tieren allein in den Zoos des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ). Der Verband selbst verweist dagegen auf weltweit rund 80 Arten, die dank Zoohaltung als „in der Natur ausgestorben“ überhaupt noch existieren und langfristig wiederangesiedelt werden können.
Zootierhaltung bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen konkretem Artenschutzbeitrag und dem grundsätzlichen ethischen Problem, Wildtiere dauerhaft in menschlicher Obhut zu halten.
Ausführlich erklärt
Tierschutzorganisationen wie Deutscher Tierschutzbund und PETA kritisieren, dass Zoohaltung selbst bei guten Absichten strukturelle Grenzen setzt, die sich nicht wegdesignen lassen: Auch großzügige Gehege ermöglichen keine artspezifische Wanderung, freie Partnerwahl oder das vollständige Verhaltensrepertoire vieler Arten. Ein besonders kontroverser Punkt ist die sogenannte Bestandsregulierung, bei der gesunde Tiere getötet werden, wenn Zuchterfolge zu „überzähligen“ Tieren führen, für die kein Platz mehr vorhanden ist, ein Vorgehen, das Zoos meist mit Populationsmanagement begründen und Tierschutzorganisationen als Widerspruch zum Artenschutz-Anspruch werten.
Befürworter*innen halten dagegen, dass angesichts von über 46.000 laut Weltnaturschutzunion IUCN bedrohten Tierarten Erhaltungszucht in Zoos eine realistische Versicherung gegen endgültiges Aussterben sein kann, selbst wenn Auswilderung nur bei wenigen Arten gelingt. Einigkeit herrscht zumindest darin, dass Lebensraumschutz in freier Wildbahn wirksamer ist als jede Zoohaltung, Zoos selbst nennen das inzwischen ihre höchste Priorität.
Quelle: Deutscher Tierschutzbund: Tötung überzähliger Tiere, Zoos versagen beim Artenschutz / Verband der Zoologischen Gärten (VdZ): Natur- und Artenschutz