Einfach erklärt
Ein Repair Café ist ein kostenloser, öffentlicher Treffpunkt, an dem Menschen ihre kaputten Alltagsgegenstände mitbringen und sie gemeinsam mit ehrenamtlichen Reparateur*innen wieder instand setzen, statt sie wegzuwerfen. Ob Toaster, Fahrrad, Kleidungsstück oder Laptop: Wer nicht selbst weiterweiß, bekommt Hilfe von Menschen mit entsprechendem Fachwissen, bei einer Tasse Kaffee und ohne Erfolgsgarantie.
Die Idee stammt von der niederländischen Journalistin Martine Postma, die am 18. Oktober 2009 das erste Repair Café in Amsterdam organisierte. 2011 gründete sie die Repair Café International Foundation, die seitdem lokale Gruppen weltweit unterstützt. Aus der einen Amsterdamer Veranstaltung ist ein globales Netzwerk geworden: Laut eigenen Angaben gibt es mittlerweile über 2.500 Repair Cafés weltweit, allein in Deutschland sind rund 1.750 gelistet, wenn auch nicht überall gleich gut erreichbar: Die Dichte ist in Großstädten deutlich höher als auf dem Land.
Der Hintergrund: In Deutschland fallen pro Kopf und Jahr etwa 10,9 Kilogramm Elektroschrott an, ein Teil davon sind Geräte, die mit etwas Geduld und der richtigen Anleitung noch hätten repariert werden können.
Ausführlich erklärt
Repair Cafés setzen an einer Lücke an, die der reine Recyclingkreislauf nicht schließt: Reparatur steht in der Abfallhierarchie der EU noch vor dem Recycling, weil ein repariertes Gerät weiterhin als Ganzes genutzt wird, statt in seine Rohstoffe zerlegt zu werden. Ökonomisch spielt dabei auch die sogenannte geplante Obsoleszenz eine Rolle, der Vorwurf an Hersteller, Produkte bewusst so zu konstruieren, dass sie nach Ablauf der Garantie eher kaputtgehen oder sich kaum noch reparieren lassen, etwa durch verklebte statt verschraubte Akkus.
Reparieren ist dabei auch eine Wissensfrage: Viele Menschen haben schlicht nie gelernt, ein Gerät zu öffnen oder einen Stecker neu anzulöten, Repair Cafés geben dieses Wissen niedrigschwellig weiter. Kritisch bleibt: Bei komplexer werdender Elektronik mit verklebten Gehäusen und fest verbauten Akkus stoßen ehrenamtliche Reparateur*innen zunehmend an technische Grenzen, die politisch adressiert werden müssten, etwa über ein verbindliches Recht auf Reparatur.
Quelle: Repair Café International Foundation: About Repair Café / Verbraucherzentrale: Repair-Cafés in Deutschland / Statistisches Bundesamt: Müll und Recycling