Kompakt erklärt
Bevor eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht wird, prüfen andere Expertinnen aus dem gleichen Fachgebiet, ob die Methoden sauber sind, die Schlussfolgerungen aus den Daten folgen und keine gravierenden Fehler vorliegen. Dieses Verfahren heißt Peer Review – auf Deutsch etwa: Begutachtung durch Fachkolleginnen. Es ist kein Garant für absolute Wahrheit, aber der wichtigste Qualitätsfilter, den die Wissenschaft kennt. Eine Studie, die diesen Prozess durchlaufen hat, ist grundsätzlich belastbarer als eine, die es nicht hat. Wer Aussagen mit „Studien belegen…” untermauert, sollte deshalb immer fragen: Wo wurde das veröffentlicht – und war es peer-reviewed?
Für Neugierige
Peer Review läuft in der Regel anonym ab: Die Gutachterinnen kennen oft nicht die Identität der Autorinnen – und umgekehrt (double-blind review). Eingereichte Manuskripte können angenommen, zur Überarbeitung zurückgegeben oder abgelehnt werden. Das System hat Schwächen: Publikationsbias (positive Ergebnisse werden häufiger veröffentlicht), Reproduzierbarkeitsprobleme und der Druck, möglichst viel zu publizieren (Publish-or-perish-Kultur) beeinflussen die Qualität. Dennoch gilt Peer Review als Goldstandard wissenschaftlicher Qualitätssicherung. Relevant für die Klimadebatte: Der IPCC-Sachstandsbericht fasst ausschließlich peer-reviewte Literatur zusammen – was seine Aussagekraft deutlich von der einer einzelnen Studie unterscheidet.
Quellen: Sense About Science (2012). Peer Review: The Nuts and Bolts. / Bornmann, L. & Mutz, R. (2015). Growth rates of modern science. Journal of the Association for Information Science and Technology.
Verwandte Begriffe: Wissenschaftlicher Konsens · Denialismus · IPCC · Metaanalyse



