Einfach erklärt
Degrowth, zu Deutsch Postwachstum oder Wachstumsrücknahme, ist ein politisches und wirtschaftliches Konzept, das einen bewussten Rückgang des Wirtschaftswachstums in reichen Ländern fordert, um innerhalb der Planetare Grenzen der Erde zu leben. Der Begriff klingt nach Verzicht, aber Degrowth-Denker*innen verstehen ihn als Befreiung: weniger Arbeit, weniger Konsum, mehr Zeit, mehr Gemeinschaft, mehr Lebensqualität.
Degrowth stellt die Leitfrage des Kapitalismus in Frage: Muss eine Wirtschaft wachsen, um gut zu funktionieren? Antwort der Degrowth-Bewegung: Nein, aber sie muss anders organisiert werden. Statt des BIP (Bruttoinlandsprodukt) als Erfolgsmaßstab schlägt Degrowth alternative Indikatoren vor: Gesundheit, Bildung, ökologischer Zustand, soziale Gerechtigkeit. Degrowth ist dabei nicht dasselbe wie Rezession, eine ungewollte Schrumpfung ohne Steuerung. Es ist eine bewusste, demokratisch gestaltete Transformation.
Ausführlich erklärt
Degrowth hat Wurzeln in der Arbeit des Ökonomen Nicholas Georgescu-Roegen, der in den 1970er-Jahren zeigte, dass jedes Wirtschaftssystem dem Entropiegesetz der Thermodynamik unterliegt, Energie kann nicht beliebig recycelt werden. Neuere Forschung (Jason Hickel, Tim Jackson) verbindet Degrowth mit empirischen Studien zu Wohlbefinden und Ressourcenverbrauch: Oberhalb eines bestimmten Wohlstandsniveaus steigt das Wohlbefinden nicht mehr, aber der Ressourcenverbrauch schon.
Besonders relevant ist die globale Gerechtigkeitsdimension: Degrowth richtet sich an reiche Länder des Globalen Nordens. Der Globale Süden (Regionen mit historisch geringen Emissionen) soll laut Degrowth-Denker*innen Raum für notwendige Entwicklung behalten. Diese Position verknüpft Degrowth direkt mit Klimagerechtigkeit. Kritiker*innen werfen Degrowth politische Unrealistik vor, Befürworter*innen halten entgegen: Unrealistisch ist es, dauerhaft auf einer endlichen Erde zu wachsen.
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Quellen
- Hickel, J., Less is More: How Degrowth Will Save the World, William Heinemann, 2020.
- Kallis, G., Degrowth, Agenda Publishing, 2018.



