- Bedeutung
- Zahlencode der extremen Rechten für „BH“, die Abkürzung des Neonazi-Netzwerks Blood & Honour
- Herleitung
- B ist der 2. Buchstabe des Alphabets, H der 8.: 2 und 8 ergeben 28
- Netzwerk
- 1987 in Großbritannien gegründet, bewaffneter Arm ist Combat 18
- Deutschland
- „Blood & Honour Division Deutschland“ seit dem 12. September 2000 verboten
- Einordnung
- ohne Kontext nicht eindeutig, die Zahl kommt auch alltäglich vor
Einfach erklärt
Der Zahlencode 28 steht in der extremen Rechten für „BH“, die Abkürzung des Netzwerks „Blood & Honour“ (auf Deutsch: Blut und Ehre). B ist der zweite Buchstabe des Alphabets, H der achte: Aus 2 und 8 wird 28. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nennt „28“ neben „18“ und „88“ als einen der bekannten Zahlencodes und beschreibt Blood & Honour als in Deutschland verbotenes rechtsextremes Musiknetzwerk.
Blood & Honour wurde 1987 in Großbritannien gegründet, um der neonazistischen Skinhead-Szene eine eigene Struktur zu geben, vor allem über Musik, Zeitschriften und Konzerte. Die deutsche Sektion wurde im Jahr 2000 verboten. Der Code lebt trotzdem weiter: Die Bundesregierung schrieb 2019, die Symbolik der verbotenen Organisation werde in sozialen Netzwerken häufig verwendet.
Merke
Wer eine 28 sieht, kann daraus allein nichts schließen. Erst der Zusammenhang macht die Bedeutung erkennbar, zum Beispiel neben Combat-18-Symbolen, Szene-Bands oder Konzertwerbung.
Ausführlich erklärt
Wie der Code funktioniert
Zahlencodes ersetzen Buchstaben durch ihre Position im Alphabet. Die bpb führt dazu die „88“ (HH, für den verbotenen Gruß „Heil Hitler“), die „18“ (AH, für Adolf Hitler) und die „28“ (BH, für Blood & Honour) auf. Mehr zu den einzelnen Zahlen steht in den Lexikon-Einträgen zu 88, 18 und 1488 sowie im Überblick zu Zahlencodes im Rechtsextremismus.
Was Blood & Honour ist
Laut dem Bericht des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages (Drucksache 17/14600) gründete Ian Stuart Donaldson, Sänger der britischen Skinhead-Band „Skrewdriver“, das Netzwerk 1987. Er benannte es nach der Losung „Blut und Ehre“ der Hitlerjugend. Ziel war die Verbreitung der nationalsozialistischen Weltanschauung, besonders über Neonazi-Bands, Fanzines und das Internet. Donaldson starb 1993 bei einem Verkehrsunfall. Die Organisation bestand weiter und hat in vielen Ländern sogenannte Divisionen. Ein Forum des Netzwerks, das 2008 gehackt wurde, hatte laut dem Bericht damals mehr als 30.000 Nutzer.
Die „Blood & Honour Division Deutschland“ entstand 1994 in Berlin, ihre Jugendorganisation „White Youth“ 1997 in Thüringen. Der Ausschuss hält fest, dass die Division schon Ende der 1990er Jahre als eine der gefährlichsten rechtsextremen Organisationen in Deutschland galt.
Combat 18 als bewaffneter Arm
Combat 18 (C18) nennt die bpb den 1992 in Großbritannien gegründeten terroristischen Arm von Blood & Honour. Die 18 steht für AH, Adolf Hitler. Laut bpb ruft die Gruppe zu Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten, Politikerinnen und Politiker, Homosexuelle, Journalistinnen und Journalisten und Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf. In Großbritannien werden ihr seit Mitte der 1990er Jahre zahlreiche Gewalttaten zugerechnet, unter anderem ein Nagelbombenanschlag im April 1999 in London mit drei Toten. Der Untersuchungsausschuss nennt ein Logo, das C18 als „offiziellen bewaffneten Arm“ von Blood & Honour bezeichnet. Mehr dazu im Eintrag zu C18.
„Combat 18 Deutschland“ wurde ebenfalls vom Bundesinnenministerium verboten. Das Bundesverwaltungsgericht lehnte am 21. September 2020 den Eilantrag der Vereinigung gegen das Verbot ab (6 VR 1.20) und nannte als Gründe unter anderem die Verbreitung rechtsextremistischer Musik, nationalsozialistische Grußformeln und die Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus.
Verbot und Gerichte
Das Bundesinnenministerium verbot „Blood & Honour Division Deutschland“ und „White Youth“ mit Verfügung vom 12. September 2000, weil sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung richteten. Zwei führende Mitglieder klagten zunächst im eigenen Namen, die Klage wurde im März 2001 auf die Organisationen umgestellt. Das Bundesverwaltungsgericht wies sie am 13. Juni 2001 als verspätet ab (6 A 1.01). Es entschied also über die Klagefrist, nicht über die Frage, ob das Verbot inhaltlich berechtigt war. Seit diesem Tag ist das Verbot bestandskräftig.
Der Bundesgerichtshof beschäftigte sich 2009 mit einer Person, die 100 T-Shirts mit dem Aufdruck „Blood & Honour/C18“ transportiert hatte (3 StR 228/09). Er entschied, dass die englische Übersetzung „Blood & Honour“ der Hitlerjugend-Losung nicht „zum Verwechseln ähnlich“ im Sinne des § 86a StGB ist und dass der bloße Name einer verbotenen Vereinigung in der Regel kein Kennzeichen nach dieser Vorschrift ist. Das Gericht hielt aber fest, dass Sachverhalte wie dieser nicht automatisch straffrei sind: Je nach Zusammenhang kommt das Verbreiten von Propagandamitteln (§ 86 StGB) oder ein Verstoß gegen das Vereinigungsverbot (§ 85 StGB) in Betracht. Das Urteil wurde aufgehoben und zur neuen Verhandlung zurückverwiesen.
Keine Rechtsberatung
Ob eine Verwendung von „28“ strafbar ist, hängt vom Einzelfall ab und lässt sich aus der Zahl allein nicht ablesen. Die Entscheidung treffen Staatsanwaltschaften und Gerichte. Dieser Eintrag erklärt die Bedeutung des Codes, er bewertet keine konkrete Handlung.
Verbindung zum NSU
Der NSU-Untersuchungsausschuss beschreibt intensive Kontakte der drei Mitglieder des Kerntrios (Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe) zu Mitgliedern von Blood & Honour, sowohl vor ihrer Flucht als auch im Untergrund. Thomas Starke, ein führender Funktionär aus Sachsen und später V-Mann des LKA Berlin, besorgte dem Trio laut Ausschuss den Sprengstoff, der bei der Garagendurchsuchung am 26. Januar 1998 gefunden wurde. Die Bundesregierung teilte 2019 mit, dass zwei Beschuldigte im sogenannten Neunerverfahren des Generalbundesanwalts von den 1990er Jahren bis zum Jahr 2000 für Blood & Honour tätig waren. Auch die bpb nennt Parallelen zwischen dem Nagelbombenanschlag des NSU 2004 in der Kölner Keupstraße und dem Londoner Anschlag von 1999.
Was nach dem Verbot blieb
Nach Angaben der Bundesregierung (Drucksache 19/8303, März 2019) gibt es keine bundesweite Struktur, die der Division zum Zeitpunkt des Verbots entspricht. Der frühere Einfluss auf die Musikszene sei nach dem Verbot nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Zugleich gehe sie davon aus, dass Blood & Honour in der Szene weiterhin einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad habe und es eine nicht zu beziffernde Zahl von Sympathisanten gebe. Das Label sei nicht mehr „geschützt“: Früher durften nur Mitglieder Kleidung mit der Aufschrift tragen, heute sei das nicht mehr der Fall. Der NSU-Untersuchungsausschuss beschreibt außerdem, dass frühere Mitglieder in Kontakt blieben und weiter Konzerte organisierten und Musik und Propagandamaterial vertrieben.
Im Ausland sind Sektionen von Blood & Honour laut Bundesregierung in anderen europäischen Ländern nicht verboten. Britische Bands aus dem Umfeld und die jährlichen „Ian-Stuart-Memorials“ genießen demnach bis heute in Teilen der Szene Kultstatus. Anlass der Anfrage waren Durchsuchungen im Dezember 2018 wegen des Verdachts, die verbotene Division werde weitergeführt (Vorbemerkung der Fragesteller).
Die 28 ist ein Erkennungszeichen für ein Netzwerk, das sich über Musik finanziert und vernetzt hat und dessen bewaffneter Arm Gewalt propagiert.
Kerngedanke
Einordnung im Alltag
Die Zahl 28 hat unzählige harmlose Bedeutungen, etwa als Alter, Datum oder Hausnummer. Rechtsextrem ist sie nur im passenden Umfeld, zum Beispiel auf Aufnähern, in Tätowierungen oder Bandnamen aus der Szene, in Kombination mit Combat-18-Motiven oder anderen Zahlencodes. Dasselbe gilt für Codes wie die 1919 oder das Keltenkreuz: Sie wirken als Erkennungszeichen, ohne dass die Zeichen selbst etwas sagen. Mehr zum Hintergrund der Szene steht im Eintrag Rechtsextremismus, mehr zu Zeichen mit doppeltem Boden unter Dogwhistle.
Was du tun kannst
- Prüfe, wo die Zahl auftaucht: auf Kleidung, in Chats, in Musik- oder Konzertwerbung. Ein einzelnes „28“ ohne Zusammenhang ist kein Beleg.
- Halte bei Verdacht fest, was du gesehen hast (Ort, Datum, Foto, Screenshot), und melde es der Polizei oder einer Beratungsstelle. Ob es strafbar ist, klären die Behörden.
- Hole dir Unterstützung bei den Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus. Der Bundesverband Mobile Beratung ist nach eigenen Angaben der Dachverband von rund 50 Teams.
Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung: Zahlencodes (Glossar Rechtsextremismus) / Bundeszentrale für politische Bildung: Combat 18 (Glossar Rechtsextremismus) / Deutscher Bundestag: Bericht des 2. Untersuchungsausschusses (NSU), Drucksache 17/14600 (22.08.2013), Abschnitt zu „Blood & Honour“ / Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung zur mutmaßlichen Weiterführung von „Blood and Honour“, Drucksache 19/8303 (13.03.2019) / Bundesverwaltungsgericht: Pressemitteilung Nr. 19/2001 zum Urteil 6 A 1.01 vom 13.06.2001 / Bundesgerichtshof: Urteil vom 13.08.2009, 3 StR 228/09 (Volltext) / Bundesverwaltungsgericht: Pressemitteilung Nr. 54/2020 zum Beschluss 6 VR 1.20 vom 21.09.2020 (Combat 18 Deutschland) / Bundesverband Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus
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