Einfach erklärt
Genderfluid (manchmal auch: gender fluid oder geschlechtsflüssig) bezeichnet eine Geschlechtsidentität, die sich verändern kann: zu unterschiedlichen Zeitpunkten, in verschiedenen Situationen oder in verschiedenen Lebensphasen. Das Geschlecht einer genderfluiden Person steht nicht fest. Es bewegt sich, verschiebt sich, tritt zu unterschiedlichen Zeiten stärker in eine oder mehrere Richtungen.
Genderfluid zählt zu den nicht-binären Geschlechtsidentitäten: Identitäten, die sich nicht auf „ausschließlich männlich“ oder „ausschließlich weiblich“ reduzieren lassen. Genderfluid kann eine eigenständige Identität sein, aber auch als Beschreibung eines Prozesses verwendet werden.
Das Konzept stellt die Annahme in Frage, dass Geschlecht eine unveränderliche, klar abgegrenzte Eigenschaft ist. Für viele genderfluid lesende Menschen ist diese Flüssigkeit kein Fehler, sondern die zutreffende Beschreibung ihrer Erfahrung. Was genderfluid lesende Personen brauchen: respektierte Pronomen (die sich mit der Identität verändern können) und das Ende der Erwartung, sich dauerhaft zu entscheiden.
Ausführlich erklärt
Konzepte nicht-fixer Geschlechtsidentitäten sind kein westliches Phänomen. Verschiedene indigene Kulturen Nordamerikas kennen Two-Spirit-Identitäten, die als eigenständige, kulturell verankerte Konzepte von Geschlechtlichkeit seit Jahrhunderten gelebt werden. Der Begriff Genderfluid entstammt westlichen queeren Communities und ist von diesen Traditionen zu unterscheiden.
Der Begriff selbst hat keine einzelne Gründer*in und kein genaues Entstehungsdatum. Er verbreitete sich durch Selbstbezeichnungen in queeren Communities. Der Sexologe Volkmar Sigusch beschrieb 2013 mit dem Konzept „Liquid Gender“ ähnliche Phänomene aus Forschungsperspektive: die Verflüssigung ehemals starr gedachter Geschlechterkategorien als gesellschaftliches und individuelles Phänomen.
Die Unterscheidung zwischen genderfluid und anderen nicht-binären Identitäten liegt vor allem in der Erfahrung von Bewegung und Veränderung. Agender beschreibt das Fehlen von Geschlecht. Genderfluid betont das Prozesshafte: nicht ein Fixpunkt, sondern Bewegung zwischen möglichen Punkten. Diskriminierungsfreie Umgebungen behandeln genderfluid lesende Identitäten nicht als vorübergehende Phase. Die Varianz selbst ist die Identität.
Quellen: LSVD (2023): Was bedeutet LSBTIQ? Glossar der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt. / Bundeszentrale für politische Bildung: Gender-fluid.*
Verwandte Begriffe: Genderidentität · Nichtbinär · trans* · Pronomen · LGBTQIA+



