Pilzmyzel


Einfach erklärt

Pilzmyzel bezeichnet das unterirdische Fadennetzwerk von Pilzen – bestehend aus feinen Zellfäden, den sogenannten Hyphen. Während der sichtbare Fruchtkörper nur ein kleiner Bruchteil des Organismus ist, kann das Myzel den Boden auf Quadratkilometern durchziehen.

Besonders bedeutsam ist das sogenannte Mykorrhiza-Netzwerk: eine Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Pilze und Bäume tauschen Nährstoffe und Signale aus – Phosphor und Stickstoff fließen vom Pilz zur Pflanze, Zucker in die andere Richtung. Dieses Netz verbindet oft Hunderte Pflanzen miteinander und ermöglicht, dass ältere Bäume Jungpflanzen mit Nährstoffen versorgen.

Der Begriff „Wood Wide Web“ – in Anlehnung ans Internet – hat sich für diese Vernetzung eingebürgert, auch wenn er vereinfachend ist. Klar ist: Pilzmyzel ist kein passiver Bodenbestandteil, sondern ein aktives ökologisches System, das Wälder, Wiesen und Böden am Leben erhält. Gesunde Böden enthalten Tonnen an Myzel pro Hektar – und gesunde Böden sind Grundlage für Klimaschutz und Nahrungsmittelproduktion.


Ausführlich erklärt

Das Mykorrhiza-System ist ein Eckpfeiler der Waldökologie. Suzanne Simard (Universität British Columbia) hat in Jahrzehnten Forschung belegt, dass Bäume über Mykorrhizanetzwerke Kohlenstoff und Stickstoff übertragen – auch gezielt zwischen sogenannten Mutterbäumen und ihrem Nachwuchs. Ihre Studien haben das Bild von Pflanzen als passiven, konkurrierenden Organismen grundlegend verändert.

Pilzmyzel spielt auch in der Kohlenstoffsenke-Debatte eine Rolle: Myzel bindet CO₂ im Boden, schützt die Bodenstruktur und reduziert Erosion. Averill et al. (2014, Nature) zeigten, dass mykorrhizapilz-dominierte Böden deutlich mehr Kohlenstoff speichern können als Böden ohne diese Netzwerke.

Gleichzeitig sind Pilzmyzel-Netzwerke durch intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz und Bodenverdichtung bedroht. Regenerative Landwirtschaft und Ökologische Landwirtschaft setzen explizit auf den Erhalt von Mykorrhizanetzwerken. Pilzmyzel ist damit nicht nur ein ökologisches Wunder, sondern ein Argument dafür, warum Böden Schutz brauchen – und warum die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, weitreichende Konsequenzen hat.

Quellen: Simard, S. W. et al. (1997): Net transfer of carbon between ectomycorrhizal tree species in the field. Nature, 388, 579–382. / Averill, C. et al. (2014): Mycorrhiza-mediated competition between plants and decomposers drives soil carbon storage. Nature, 505, 543–545.


Verwandte Begriffe: Kohlenstoffsenke · Regenerative Landwirtschaft · Ökologische Landwirtschaft · Artensterben · Ökologischer Fußabdruck




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