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Asexualität

Asexualität einfach erklärt: keine sexuelle Anziehung, Spektrum, Abgrenzung zu Zölibat und Störung, Häufigkeit laut Studien, Flagge und Ace Week.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 30.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen
Kurzform
Ace (auch für das ganze Spektrum)
Spektrum
asexuell, graysexuell, demisexuell
Abgrenzung
Kein Zölibat, keine Störung und nicht dasselbe wie Aromantik
Häufigkeit
Je nach Studie und Frage etwa 0,4 bis 4 Prozent
Aktionswoche
Ace Week, 2026 vom 25. bis 31. Oktober
Asexuellen-Flagge: vier horizontale Streifen in Schwarz, Grau, Weiss und Lila
Die Asexuellen-Flagge (2010). Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Einfach erklärt

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung. Asexuelle Menschen, kurz Aces, erleben keine sexuelle Anziehung zu anderen. So beschreibt es das Asexual Visibility and Education Network (AVEN): Sie fühlen sich nicht sexuell zu Personen hingezogen und haben keinen Wunsch, einer solchen Anziehung nachzugehen. Manche asexuelle Menschen erleben Erregung, ohne dass sie mit dem Wunsch nach Sex mit anderen verbunden wäre, andere haben Sex, wieder andere nicht.

Das Spektrum ist breit. Graysexuelle Menschen erleben sexuelle Anziehung selten oder nur unter bestimmten Umständen, demisexuelle erst, nachdem eine emotionale Bindung entstanden ist, so Schneckenburger et al. (2023). Romantische Anziehung ist eine eigene Achse: In einer Auswertung von sieben früheren Studien mit 4.032 Teilnehmenden berichteten 74,0 Prozent der asexuellen Personen romantische Anziehung, so Antonsen et al. (2020). Wer weder sexuelle noch romantische Anziehung erlebt, nennt sich aroace. Mehr dazu unter Aromantisch.

Asexualität sagt nichts über die Geschlechtsidentität. Asexuell sein können cis Frauen und cis Männer ebenso wie trans Männer, trans Frauen und nichtbinäre Personen.

Merke

Asexualität beschreibt, zu wem sexuelle Anziehung besteht, nämlich zu niemandem oder nur selten. Sie sagt nichts darüber, wie sehr jemand liebt, Nähe sucht oder Beziehungen führt.


Ausführlich erklärt

Begriff und Forschung

Kinsey beschrieb das Fehlen sexueller Anziehung bereits 1948 (Antonsen et al. (2020)). Groß angelegte, systematische Forschung entstand laut Brotto und Yule (2017) erst im Jahrzehnt vor 2017. Brotto et al. (2010) befragten 187 über AVEN gefundene asexuelle Menschen: Asexualität lässt sich am besten als Fehlen sexueller Anziehung fassen, Erregung und Verhalten unterscheiden sich stark.

Wie häufig ist Asexualität?

Bogaert (2004) wertete eine britische Bevölkerungsumfrage mit mehr als 18.000 Befragten aus: Etwa 1 Prozent (195 Personen) gaben an, sich zu keinem Geschlecht sexuell hingezogen zu fühlen, darunter mehr Frauen als Männer. Aicken et al. (2013) fragten in zwei britischen Umfragen Menschen von 16 bis 44 Jahren, ob sie je sexuelle Anziehung erlebt hatten. 1990 bis 1991 verneinten das 0,9 Prozent (13.765 Befragte), 2000 bis 2001 waren es 0,4 Prozent (12.110 Befragte), ohne signifikanten Unterschied nach Geschlecht oder Alter. Ein Anstieg unter jüngeren Menschen lässt sich daraus nicht ablesen. Die Fachzeitschrift CMAJ nennt eine Spanne von 0,4 bis 4 Prozent, so Schneckenburger et al. (2023). Die Werte hängen von der Frage ab und stammen aus Großbritannien. Eine belastbare Zahl für Deutschland liefern die geprüften Quellen nicht. Wer keine sexuelle Anziehung erlebt, ist laut Aicken et al. (2013) nicht automatisch sexuell unerfahren oder ohne intime Beziehung.

1 %der Befragten einer britischen Bevölkerungsumfrage gaben in der Auswertung von Bogaert (2004) an, asexuell zu sein
0,4 %der 16- bis 44-Jährigen in Großbritannien hatten 2000 bis 2001 nie sexuelle Anziehung erlebt, 1990 bis 1991 waren es 0,9 % (Aicken et al., 2013)
66,3 %der Aces im Ace Community Survey 2024 erlebten wegen ihrer Orientierung mindestens eine Form von Diskriminierung

Abgrenzung zu Zölibat und Störung

Zölibat und Abstinenz sind Entscheidungen, auf Sex zu verzichten. Asexualität ist nach AVEN dagegen ein fester Teil der Person. Brunning und McKeever (2020) kommen in ihrer philosophischen Analyse zum Schluss, dass sich Asexualität klar von Zölibat und von Störungen des Verlangens unterscheidet.

Auch medizinisch ist die Abgrenzung gut untersucht. Die sexuelle Interessen- und Erregungsstörung (SIAD) setzt laut DSM-5 deutlichen Leidensdruck voraus, und betroffene Frauen suchen oft Behandlung. Asexuelle Menschen leiden höchstens unter mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz und wollen ihr Verlangen in der Regel nicht ändern, so Bradshaw et al. (2021). In der Studie von Brotto et al. (2010) erlebten sie ihre geringe sexuelle Reaktion nicht als belastend, höhere Raten psychischer Störungen fanden sich nicht. Brotto und Yule (2017) sehen nicht genug Belege, Asexualität als Störung des Verlangens einzustufen, und halten sie für eine heterogene Gruppe, die wahrscheinlich die Bedingungen einer sexuellen Orientierung erfüllt. In einer Eye-Tracking-Studie schauten Frauen mit SIAD länger auf erotische Reize als asexuelle Personen. Asexuelle Menschen aus dem Umfeld von AVEN schlugen dem DSM-5-Gremium zudem eine Klausel vor, nach der eine Verlangensstörung nur bei Personen diagnostiziert wird, die sich nicht als asexuell bezeichnen, beides nach Brown et al. (2021).

Wer unter fehlender Erregung oder nachlassendem Interesse an Sex leidet, kann das nach AVEN ärztlich klären lassen.

Was die Zahlen nicht sagen

Studienzahlen beschreiben Gruppen, nicht einzelne Personen. Mehrere Studien rekrutierten über Online-Gemeinschaften und sind nicht repräsentativ. Asexualität ist eine Selbstbeschreibung und keine Diagnose.

Asexualität, Geschlecht und trans Personen

Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung sind getrennte Dimensionen. In der Auswertung von Antonsen et al. (2020) waren Frauen und nichtbinäre Geschlechter unter asexuellen Personen anteilig häufiger als in der allosexuellen Vergleichsgruppe.

Genauer aufgeschlüsselt ist der Ace Community Survey 2024 mit 8.185 Aces aus 96 Ländern, so Ace Community Survey Team (2025). Von ihnen beschrieben sich 52,8 Prozent mit dem Wort Frau, 25,1 Prozent als nichtbinär, 16,8 Prozent als agender und 16,4 Prozent mit dem Wort Mann, Mehrfachnennungen waren möglich. 38,7 Prozent ordneten sich dem trans oder nichtbinären Spektrum zu. Der Bericht wertet ace trans Männer (392 Personen) und ace trans Frauen (221 Personen) zum Teil gesondert aus. Die Online-Befragung hatte keine Zufallsauswahl und ist laut Team nicht repräsentativ. Sie zeigt, dass Aces mit vielen Geschlechtsidentitäten leben, nicht wie häufig das in der Bevölkerung vorkommt. Belastbare Zahlen für einzelne Gruppen wie trans Männer liefern die geprüften Quellen nicht.

Erfahrungen und Diskriminierung

Vorurteile gegen asexuelle Menschen sind untersucht. MacInnis und Hodson (2012) zeigten in zwei Studien (Studierende und Erwachsene aus der Bevölkerung), dass asexuelle Menschen negativer bewertet, als weniger menschlich wahrgenommen und weniger als Kontaktpersonen geschätzt wurden als heterosexuelle Menschen und andere sexuelle Minderheiten. Befragte waren auch bereit, sie zu benachteiligen, im gleichen Maß wie homosexuelle Menschen.

Im Ace Community Survey 2024 gaben 66,3 Prozent der Aces an, wegen ihrer sexuellen oder romantischen Orientierung mindestens eine Form von Diskriminierung erlebt zu haben, unter trans und nichtbinären Aces waren es 73,1 Prozent. Am häufigsten genannt wurden übergriffige oder unangemessene persönliche Fragen (43,8 Prozent), Versuche, die Person zu „heilen“ oder zu „reparieren“ (40,2 Prozent) und verbale Belästigung (32,1 Prozent). Auch die Gesundheitsversorgung kann zur Hürde werden: Pathologisierung, also das Behandeln fehlender sexueller Anziehung als an sich gestört, führt laut Schneckenburger et al. (2023) bei vielen asexuellen Menschen dazu, Gesundheitsleistungen zu meiden. Yule et al. (2013) fanden bei asexuellen Befragten unter anderem mehr Depression und Angst, der CMAJ-Beitrag führt solche Belastungen oft auf Minderheitenstress und Stigma zurück.

Asexualität ist eine Orientierung und kein Mangel: Sie beschreibt, wie Anziehung entsteht, und nicht, was einem Menschen fehlt.

Kerngedanke

Flagge und Ace Week

Die Asexuellen-Flagge entstand 2010, den Entwurf nennt Wikimedia Commons als Arbeit von AVEN. Schwarz steht für Asexualität, Grau für Graysexualität und Demisexualität, Weiß für nicht asexuelle Partnerpersonen und Verbündete, Lila für die Gemeinschaft. Mehr zu queeren Flaggen. Die Ace Week, früher Asexual Awareness Week, ist eine internationale Aktionswoche für mehr Wissen über Asexualität. 2026 findet sie vom 25. bis 31. Oktober statt, laut Veranstaltenden wird sie in diesem Jahr 16 Jahre alt.

Was in der Versorgung hilft

Schneckenburger et al. (2023) empfehlen im CMAJ Fachpersonen: inklusive Sprache (bei Fragen zu Sex „falls“ statt „wenn“), Selbstbezeichnungen respektieren, fehlenden Sex nicht als Problem annehmen, asexuelle Antwortoptionen in Formularen anbieten und nichtbinär-sensible Versorgung lernen, weil nichtbinäre Menschen in asexuellen Gemeinschaften häufiger vorkommen.

Quellen: AVEN: Overview (abgerufen 16.10.2026) / AVEN: About AVEN (abgerufen 16.10.2026) / Bogaert (2004), Journal of Sex Research 41 / Aicken et al. (2013), Psychology & Sexuality 4 / Brotto et al. (2010), Archives of Sexual Behavior 39 / Brotto und Yule (2017), Archives of Sexual Behavior 46 / Yule et al. (2013), Psychology & Sexuality 4 / MacInnis und Hodson (2012), Group Processes & Intergroup Relations 15 / Antonsen et al. (2020), Archives of Sexual Behavior 49 / Bradshaw et al. (2021), PLOS ONE 16 / Brown et al. (2021), PLOS ONE 16 / Brunning und McKeever (2020), Journal of Applied Philosophy 38 / Schneckenburger et al. (2023), CMAJ 195 / Ace Community Survey Team (2025): 2024 Summary Report / Wikimedia Commons: Asexual Pride Flag.svg / Ace Week (abgerufen 16.10.2026)

Wie viel Mut es kosten kann, die eigene Identität öffentlich zu leben: Deine Geschichte, dein Tempo: Was Coming out von Outing unterscheidet.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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