Nachhaltigkeit

Lebensmittelteilung / Foodsharing

Foodsharing einfach erklärt: Wie das Teilen und Retten überschüssiger Lebensmittel funktioniert, was Fairteiler sind und wo die Grenzen liegen.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 17.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Weitergabe überschüssiger Lebensmittel, damit sie gegessen statt entsorgt werden
Zwei Wege
Lebensmittelretten bei Betrieben und Teilen über Fairteiler und Essenskörbe
Plattform in Deutschland
foodsharing.de, seit dem 12.12.2012 online
Nutzen
Wer Lebensmittel aus Fairteilern nimmt, braucht keine Voraussetzungen zu erfüllen
Grenze
Mildert Symptome, ändert aber nicht, warum so viel übrig bleibt

Einfach erklärt

Foodsharing (deutsch etwa „Lebensmittel teilen“) bezeichnet die Weitergabe überschüssiger Lebensmittel, damit sie gegessen statt weggeworfen werden. Wer zu viel eingekauft hat, aus dem Urlaub zurückkehrt oder nach einer Feier Reste übrig hat, gibt Essen weiter. Das kann spontan unter Nachbarinnen und Nachbarn geschehen oder organisiert über eine Plattform.

In Deutschland steht der Name vor allem für die Initiative foodsharing, die über die Plattform foodsharing.de arbeitet. Sie bündelt zwei Dinge. Erstens das Lebensmittelretten: Ehrenamtliche, die „Foodsaver“, holen bei Betrieben wie Bäckereien, Supermärkten oder Kantinen Waren ab, die nicht mehr verkauft werden, aber noch genießbar sind. Zweitens das Teilen: Wer etwas übrig hat, bietet es über Essenskörbe an oder stellt es in einen „Fairteiler“. Das ist ein öffentlich zugänglicher Kühlschrank oder ein Regal, aus dem alle Menschen etwas mitnehmen dürfen, ohne Bedingungen erfüllen zu müssen.

Der Hintergrund ist Food Waste: Nach den Zahlen des Umweltbundesamts fielen in Deutschland 2022 rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Foodsharing setzt dort an, wo Essen noch genießbar ist, aber im normalen Handel keinen Platz mehr findet.


Ausführlich erklärt

Woher die Idee kommt

Die Geschichte ist im foodsharing-Wiki dokumentiert. Im Oktober 2011 kam der Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn in die Kinos und machte Lebensmittelverschwendung zum öffentlichen Thema. Im Januar 2012 bot Raphael Fellmer, der selbst containerte, Berliner Biosupermärkten eine Kooperation an: nicht verkäufliche, aber noch genießbare Ware abholen, statt sie in der Tonne zu lassen. Im Juni 2012 gründete eine Gruppe um Thurn in Köln den Verein foodsharing e. V. Am 12. Dezember 2012 ging die Plattform foodsharing.de online. Seit der Fusion mit der Plattform lebensmittelretten.de im Jahr 2014 arbeiten beide Stränge unter dem gemeinsamen Namen.

So funktioniert es

Zwei Rollen sind zu unterscheiden. Foodsharer nutzen das Angebot: Sie legen Essenskörbe an, bringen Lebensmittel zu Fairteilern oder nehmen etwas mit. Foodsaver sind Ehrenamtliche mit mehr Verantwortung: Sie holen bei kooperierenden Betrieben ab. Dafür sieht die Initiative ein Quiz und Einführungsabholungen vor. Die Plattform meldet für Oktober 2026 etwa 18.400 Kooperationen mit Betrieben, rund 17,3 Millionen Abholungen und eine gerettete Gesamtmenge von etwa 342.000 Tonnen. Die Zahlen stammen von der Plattform selbst und wurden nicht unabhängig geprüft.

Fairteiler werden von den örtlichen Bezirken betrieben. Es gibt Regeln, die auf dem Plakat am Fairteiler stehen: Lebensmittel nach Ablauf des Verbrauchsdatums sind tabu, ebenso geöffnete Verpackungen, Hackfleisch, roher Fisch, Rohmilch- und Rohei-Produkte, selbst gesammelte Pilze und Alkohol. Ware nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums darf dagegen weitergegeben werden, sofern sie noch in Ordnung ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Qualitätsangabe, kein Verfallsdatum.

10,8 Mio. TonnenLebensmittelabfälle fielen in Deutschland 2022 an (Umweltbundesamt)
58 Prozentdavon entstehen in privaten Haushalten, im Handel nur 7 Prozent
12.12.2012ging die Plattform foodsharing.de online

Ein rechtlicher Sonderfall

Fairteiler sind rechtlich eine Besonderheit. Nach der Einschätzung der Initiative selbst fallen sie nicht unter das Lebensmittelrecht: Dort werde Essen nur kurz und zum privaten Gebrauch gelagert, und die Beteiligten seien keine Lebensmittelunternehmen. Sie verweist auf Artikel 1 Absatz 3 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002, wonach das Lebensmittelrecht nicht für die häusliche private Lagerung gilt. Das ist die Rechtsauffassung der Initiative, kein Gerichtsurteil. Wer aus einem Fairteiler isst, tut es auf eigene Verantwortung. Wie es um das Retten aus den Abfallbehältern steht, behandelt der Eintrag zum Containern.

Wie viel kann Foodsharing bewirken?

Hier hilft ein Blick auf die Verteilung. Nach den Zahlen des Umweltbundesamts für 2022 entfallen 58 Prozent der Lebensmittelabfälle (6,3 Millionen Tonnen) auf private Haushalte, 18 Prozent auf die Außer-Haus-Verpflegung, 15 Prozent auf Verarbeitung in Handwerk und Industrie, 7 Prozent auf den Handel und 2 Prozent auf die Primärproduktion. Jede Person wirft demnach 74,5 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. In diese Rechnung fließen auch nicht essbare Teile wie Schalen und Knochen ein, nicht alles davon ließe sich also retten.

Die gerettete Gesamtmenge seit 2012 liegt, gemessen an der Jahresmenge von 10,8 Millionen Tonnen, im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Der Vergleich ist grob, weil Plattformstatistik und amtliche Abfallstatistik nach unterschiedlichen Methoden erhoben werden. Er zeigt aber: Foodsharing rettet viel, ersetzt aber keine Veränderung dort, wo am meisten Essen verloren geht, nämlich in Haushalten und in der Gastronomie. Der größte Hebel für Einzelne bleibt, weniger wegzuwerfen.

Globale Einordnung

Die FAO schätzte 2011, dass weltweit rund ein Drittel der für Menschen produzierten Lebensmittel verloren geht oder verschwendet wird, etwa 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr. Die Verteilung ist ungleich. Pro Kopf werfen Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa und Nordamerika nach FAO-Schätzung 95 bis 115 Kilogramm im Jahr weg, in Subsahara-Afrika und Süd- sowie Südostasien nur 6 bis 11 Kilogramm. In einkommensschwachen Ländern geht Essen vor allem früh in der Lieferkette verloren, etwa wegen fehlender Lagerung, Kühlung und Infrastruktur. Eine Folgestudie der FAO von 2013 beziffert den Treibhausgas-Fußabdruck von produzierten, aber nicht gegessenen Lebensmitteln auf 3,3 Gigatonnen CO₂-Äquivalente. Damit läge diese Menge hinter den USA und China auf Rang drei der Emittenten, ohne Emissionen aus Landnutzungsänderungen gerechnet. Jedes gerettete und gegessene Lebensmittel sorgt dafür, dass die bei seiner Herstellung angefallenen Emissionen nicht umsonst waren. Zusammenhänge mit Ressourcenschonung beschreiben Kreislaufwirtschaft und Zero Waste.

Foodsharing macht Verschwendung sichtbar und Teilen alltäglich. Es ersetzt aber nicht die Frage, warum so viel Essbares überhaupt übrig bleibt.

Kerngedanke

Kritik und offene Fragen

Mehrere Punkte werden kontrovers diskutiert. Erstens die Verantwortung: Entlastet das Retten Betriebe davon, Überproduktion und Überbestellung zu vermeiden? Zweitens der Zugang: Wer keine Zeit, keine Mobilität oder keinen Fairteiler in der Nähe hat, profitiert weniger. Klassismus und räumliche Ungleichheit prägen mit, wer das Angebot tatsächlich nutzen kann. Drittens die Reichweite: Wer bei Betrieben abholt, muss sich auf der Plattform anmelden und Einführungsabholungen absolvieren. Das schafft Verlässlichkeit, setzt aber Zeit und Verbindlichkeit voraus.

Was Foodsharing leistet und was nicht

Foodsharing verhindert Abfall im Kleinen und schafft Gemeinschaft rund um das Teilen von Ressourcen. Strukturelle Ursachen wie Überproduktion, Preisdruck im Handel oder Verpackungsregeln ändert es nicht. Sinnvoll ist es deshalb als Ergänzung zu politischen Maßnahmen, nicht als Ersatz.

Was du tun kannst

  1. Prüfe auf der Plattform foodsharing.de, ob es in deiner Nähe einen Fairteiler gibt, und nutze ihn zum Mitnehmen und Weitergeben.
  2. Plane Einkäufe und Mahlzeiten so, dass weniger übrig bleibt: Der größte Anteil der Abfälle entsteht in Haushalten.
  3. Gib Überschüsse an Nachbarschaft oder Freundeskreis weiter, bevor sie verderben.

Quellen: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Lebensmittelabfälle in Deutschland, aktuelle Zahlen nach Sektoren (Berichtsjahr 2022, Umweltbundesamt 2024; abgerufen 15.10.2026) / FAO (2011): Global Food Losses and Food Waste: Extent, Causes and Prevention. Rom / FAO (2013): Food Wastage Footprint: Impacts on Natural Resources. Rom / foodsharing-Wiki: Geschichte von foodsharing (abgerufen 15.10.2026) / foodsharing-Wiki: Fairteiler und Abgabestellen (abgerufen 15.10.2026) / foodsharing.de: Plattformstatistik (abgerufen 15.10.2026) / Verordnung (EG) Nr. 178/2002, Artikel 1 Absatz 3

Weitere Schritte für den Alltag stehen im Blogartikel Günstig, einfach, wirklich gut: 10 nachhaltige Alltagsideen, die sich lohnen.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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