Querfront


Kompakt erklärt

Querfront bezeichnet tatsächliche oder angestrebte Bündnisse zwischen Menschen aus eigentlich gegensätzlichen politischen Lagern, meist zwischen extrem rechten und extrem linken Gruppen. In aktuellen Debatten wird ein ähnliches Muster aber auch jenseits der klassischen Links-Rechts-Achse diskutiert, etwa wenn Verfassungsschutzbehörden auf vergleichbare Argumentationsmuster zwischen islamistischen und rechtsextremen Milieus hinweisen, beispielsweise bei der gemeinsamen Ablehnung queerer Lebensweisen. Der Name setzt sich zusammen aus „quer“ (weil das Bündnis quer zur üblichen Links-Rechts-Achse verläuft) und „Front“ (weil es um ein gemeinsames Vorgehen gegen einen geteilten Gegner geht). Historisch entstand der Begriff in der Endphase der Weimarer Republik, als kurzzeitig Hoffnungen auf eine solche Querfront-Regierung bestanden, ohne dass daraus eine stabile Regierung entstand. Politikwissenschaftlich zeigt sich: In Weimarer Republik und Bundesrepublik kam es nie zu dauerhaften, organisatorisch gefestigten Bündnissen zwischen Links- und Rechtsextremist*innen, denn linksextreme Gruppen lehnen solche Angebote meist ab, ihr Selbstverständnis als antifaschistisch schließt eine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten aus.


Für Neugierige

Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber unterscheidet für die bpb drei Idealtypen von Querfront: die real gelebte, langfristige Kooperation, das gescheiterte strategische Bündnisangebot und die bloße Diskursadaption, umgangssprachlich könnte man auch von einem gedanklichen Abkupfern sprechen, also der Übernahme von Argumentationsmustern der anderen Seite ohne praktische Zusammenarbeit. Gerade die dritte Form wird in aktuellen Debatten häufig übersehen, etwa wenn rechte und linke Milieus unabhängig voneinander ähnliche Verschwörungserzählungen verwenden. Ein Alltagsbeispiel sind die Corona-Proteste der „Querdenken“-Bewegung: Vage Begriffe wie „Freiheit“ und „Souveränität“ boten dort Anschlussmöglichkeiten für ganz unterschiedliche politische Lager, auch für extrem rechte Gruppen, die diese Gelegenheit zur eigenen Agitation nutzten, ohne dass ein organisiertes Bündnis mit den übrigen Teilnehmenden entstand. Nach Pfahl-Traughbers Einschätzung bleibt eine reale Querfront in Deutschland aktuell unwahrscheinlich, weil der Antifaschismus für linksextreme Gruppen ein zentrales Identitätsmerkmal darstellt.

Quelle: bpb.de (2023): Gibt es eine Querfront? (Armin Pfahl-Traughber)


Verwandte Begriffe: Hufeisentheorie · Rechtsextremismus · Antifaschismus · Verschwörungstheorie · Linksextremismus




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