Kompakt erklärt
Bodyshaming bezeichnet abwertende Kommentare oder Verhaltensweisen gegenüber dem Körper einer anderen Person. Das betrifft Gewicht, Größe, Hautbild, Haare, Narben oder jedes andere körperliche Merkmal, das von einer gesellschaftlich definierten Norm abweicht.
Bodyshaming findet im Alltag statt: als „gut gemeinter“ Kommentar über das Gewicht, als Witz über Körperbehaarung, als abwertender Blick, als Kommentar unter einem Foto. Auch scheinbar positive Bemerkungen wie „Du hast so abgenommen, das steht dir gut!“ enthalten die Botschaft, dass der frühere Körper schlechter war.
Die Folgen sind messbar: Bodyshaming erhöht das Risiko für Essstörungen, Depressionen und sozialen Rückzug.
Für Neugierige
Susan Bordos Arbeit „Unbearable Weight“ (1993) analysiert, wie westliche Gesellschaften Körpernormen produzieren und wie diese Normen entlang von Geschlecht, Klasse und Ethnizität unterschiedlich wirken. Fatphobia (die gesellschaftliche Abwertung von Menschen mit Übergewicht) ist dabei besonders gut untersucht: Sie schlägt sich in medizinischer Unterversorgung, Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und im Alltag nieder.
Fardouly und Vartanian (2015) zeigten in einer Metaanalyse, dass Social-Media-Nutzung mit erhöhtem Körperunzufriedenheitsniveau zusammenhängt, besonders bei jungen Frauen und nicht binären Personen. Algorithmen, die Engagement maximieren, bevorzugen Inhalte, die Normkörper zeigen und damit implizit alle anderen abwerten.
Bodyshaming ist keine Frage von Sensibilität. Es ist eine Form struktureller Diskriminierung mit dokumentierten Auswirkungen auf Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe.
Quellen: Bordo, S. (1993). Unbearable Weight. Fardouly, J. & Vartanian, L. R. (2015). Body Image, 15, 100–111.
Verwandte Begriffe: Fatphobia · Schönheitsnormen · Essstörungen · Ableismus · Body Positivity



