Überfischung


Kompakt erklärt

Überfischung bedeutet, dass mehr Fisch aus einem Gewässer entnommen wird, als sich die Population durch natürliche Fortpflanzung erholen kann. Das Ergebnis: Bestände brechen zusammen, manchmal unwiederbringlich. Laut UN-Ernährungsorganisation FAO gilt mehr als ein Drittel der weltweiten Fischbestände als überfischt, Tendenz steigend.

Die Industriefischerei trägt den Hauptanteil: Schleppnetze fegen ganze Meeresböden leer, Beifang, also ungewollt mitgefangene Tiere, wird tot zurück ins Meer geworfen. Gleichzeitig hängen weltweit rund 600 Millionen Menschen von der Fischerei ab, viele davon im Globalen Süden als Kleinfischer. Wenn industrielle Flotten in ihre Küstengewässer eindringen, verlieren sie nicht nur eine Nahrungsquelle, sondern ihre wirtschaftliche Existenz.

Die ökologischen Folgen gehen über den Fischbestand hinaus. Ausgedünnte Populationen destabilisieren ganze Nahrungsnetze: Raubfische fehlen, Plankton überwuchert, Sauerstoffgehalt sinkt. Überfischung ist eng verbunden mit dem allgemeinen Artensterben in den Ozeanen.


Für Neugierige

Die EU zahlt Subventionen für Fischereiflotten, die gleichzeitig von der Überfischung profitieren. Das ist das Grundproblem politischer Untätigkeit: Kurzfristige wirtschaftliche Interessen schlagen langfristigen Bestandsschutz. Meeresschutzgebiete, in denen Fischerei ausgeschlossen ist, zeigen dagegen, wie schnell sich Bestände erholen können, wenn man sie lässt.

Aquakulturen werden oft als Lösung verkauft. Der Haken: Viele Zuchtfische fressen selbst Wildfisch als Futter, Lachs zum Beispiel. Der Druck auf die Ozeane verlagert sich, verschwindet nicht. Pflanzliche Aquakulturen wie Muscheln und Algen sind ökologisch sinnvoller, aber weniger profitabel.

Überfischung klingt nach einem Mengenproblem. Es ist auch ein Machtproblem: Wer darf fischen, wer entscheidet über Quoten, wer trägt die Konsequenzen? Wessen Interessen dabei geschützt werden, zeigt sich an den Quoten. Das berührt direkt die Debatte um Biodiversität und Artenschutz.

Verwandte Begriffe: Artensterben · Artenschutz · Biodiversität · Massentierhaltung · Pflanzliche Ernährung