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Framing

Framing: Wie Wortwahl dieselbe Information verschieden wirken lässt, was die Forschung belegt, wo die Grenzen liegen und wie sich Frames erkennen lassen.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 20.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Effekt, dass dieselbe Information je nach Formulierung und Verknüpfung unterschiedlich aufgenommen wird
Mechanismus
Auswahl (Selektion) und Hervorhebung (Salienz) bestimmter Aspekte
Klassiker
Tversky und Kahneman 1981: 72 Prozent gegen 22 Prozent bei inhaltlich gleichen Optionen
Politisch
Wortwahl wie „Flüchtlingswelle“ ordnet Menschen einem Bedeutungsfeld zu
Grenze
Wirkung hängt von Konkurrenz mehrerer Frames und von der Glaubwürdigkeit der Quelle ab

Einfach erklärt

Framing, auf Deutsch Rahmung, bezeichnet den Effekt, dass ein und dieselbe inhaltliche Information unterschiedlich aufgenommen wird, je nachdem, wie sie formuliert oder mit welchen Begleitinformationen sie verknüpft wird. So fasst es das Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung zusammen. Der Begriff stammt vom englischen Wort „frame“, dem Rahmen eines Bildes: Der Rahmen entscheidet mit, was im Bild zu sehen ist.

Ein viel zitiertes Experiment von Amos Tversky und Daniel Kahneman aus dem Jahr 1981 zeigt das. Studierenden wurde ein erwarteter Krankheitsausbruch mit 600 Todesfällen vorgelegt, dazu zwei Programme. In der ersten Version rettet Programm A sicher 200 Menschen, Programm B rettet mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel alle 600. Hier wählten 72 Prozent der 152 Befragten die sichere Option. In der zweiten Version sterben bei Programm C sicher 400 Menschen, bei Programm D stirbt mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln niemand. Hier wählten nur 22 Prozent von 155 Befragten die sichere Option. Beide Versionen beschreiben dieselben Folgen, nur die Wortwahl wechselt von „gerettet“ zu „gestorben“.

Auch im politischen Alltag wirken Rahmen. Eine Rezension zu Elisabeth Wehlings Buch „Politisches Framing“ führt Begriffe wie „Flüchtlingswelle“, „Flüchtlingsstrom“ oder „Flüchtlings-Tsunami“ an: Geflüchtete werden dabei mit Wassermassen und Naturkatastrophen verglichen, ihre Individualität geht verloren, und sie erscheinen als Bedrohung.

Framing ist deshalb nicht von vornherein Manipulation. Jede Aussage wählt Wörter und Aspekte aus. Netzpolitik.org hielt 2019 fest, dass es keine Kommunikation ohne Framing gibt. Die Frage lautet also, welcher Rahmen gesetzt wird, ob er offen sichtbar ist und ob er zu den Tatsachen passt.

Merke

Einen rahmenlosen Text gibt es nicht. Entscheidend ist, welche Aspekte ein Rahmen hervorhebt, welche er ausblendet und ob das für die Leserschaft erkennbar bleibt.


Ausführlich erklärt

Herkunft: Goffman, Selektion und Salienz

Der Soziologe Erving Goffman legte 1974 mit „Frame Analysis“ den Grundstein. Frames sind für ihn laut bpb-Glossar grundlegende mentale Repräsentationen, Interpretationen und Vereinfachungen der Wirklichkeit, die Wahrnehmung, Kommunikation und Handeln lenken. Sie entstehen mehr oder weniger bewusst und werden von den Empfangenden meist unbewusst übernommen.

Die Medienforschung beschreibt zwei Schlüsselprinzipien: Selektion, also die Auswahl, und Salienz, die Hervorhebung. Durch beides wird eine bestimmte Deutung eines Ereignisses gefördert. Frames erfüllen laut bpb vier Funktionen: Sie definieren ein Problem, diagnostizieren Ursachen, werten moralisch und schlagen Lösungen vor. Ein Rahmen sagt also nicht nur, worum es geht, sondern auch, wer schuld ist und was zu tun wäre.

Was das Experiment von 1981 zeigt und was nicht

Tversky und Kahneman erklären die Umkehr der Präferenzen so: Bei Gewinnen wählen Menschen oft die sichere Option, bei Verlusten eher das Risiko. Die Befragten, Studierende der Stanford University und der University of British Columbia, beantworteten kurze Fragebögen im Hörsaal. Die Autoren geben an, die Umkehr auch bei anderen Gruppen beobachtet zu haben, darunter Hochschullehrende und Ärztinnen und Ärzte. Das Experiment betrifft Entscheidungen unter Risiko mit streng gleichwertigen Beschreibungen. Politische Frames sind meist komplexer: Sie beschreiben nicht dasselbe anders, sondern heben andere Aspekte hervor. Von den 72 und 22 Prozent lässt sich daher nicht auf die Wirkung politischer Sprache schließen.

Politisches Framing: Lakoff und Wehling

Der Kognitionswissenschaftler George Lakoff trug den Begriff in die politische Kommunikation. Sein Buch „Don’t Think of an Elephant!“ (2004) will laut Klappentext erklären, wie Konservative in den USA Themen rahmen und wie Progressive ihre Werte formulieren und Debatten neu rahmen können. Das ist ein Ratgeber mit politischer Absicht und kein neutrales Lehrbuch.

In Deutschland wurde die Idee durch Elisabeth Wehlings Sachbuch „Politisches Framing“ (2016) bekannt. Die Rezension in „Communicatio Socialis“ beschreibt die Autorin als Linguistin, die an der University of California in Berkeley forscht.

Die ARD-Debatte 2019

Im Februar 2019 veröffentlichte netzpolitik.org ein Gutachten, das Wehling für die ARD erstellt hatte. Es sollte beraten, wie sich die Vorzüge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Erkenntnissen der Framing-Theorie kommunizieren lassen. Die ARD bezeichnete das Papier als „Denkanstoß und Diskussionsgrundlage“ für interne Zwecke. Es zirkulierte bereits außerhalb der Sender und wurde Teil einer öffentlichen Debatte. Laut netzpolitik.org zitierten vor allem rechte Webseiten ausgewählte Stellen, um der ARD Manipulation vorzuwerfen.

Netzpolitik.org ordnete ein: Es sei sinnvoll, dominante Frames der eigenen Kommunikation zu reflektieren. Wer Dokumente dazu zurückhalte, stütze das Manipulationsbild. Auch Wehling veröffentlichte eine Klarstellung. Der Fall zeigt, wie schnell die Grenze zwischen Erklären und Beeinflussen strittig wird.

72 %wählten 1981 die sichere Option, als Programm A „200 gerettet“ hieß
22 %wählten die sichere Option, als sie „400 sterben“ hieß, bei gleichen Folgen
152 und 155Studierende beantworteten die beiden Versionen

Grenzen der Wirkung

Framing wirkt nicht automatisch. Dennis Chong und James Druckman betonen 2007, dass sich die Forschung lange auf unumstrittene Situationen konzentrierte, in denen Befragte nur einen Rahmen sahen. In der Wirklichkeit konkurrieren mehrere Rahmen. Ihre Theorie nennt individuelle und kontextbezogene Faktoren, die bestimmen, welcher Rahmen die Meinung beeinflusst.

Druckman zeigte 2001 in zwei Laborexperimenten eine weitere Grenze: die Glaubwürdigkeit der Quelle. Wer als wenig glaubwürdig gilt, kann mit einem Rahmen die Meinung kaum lenken. Framing ist damit eine mächtige, aber keine allmächtige Technik. Wie stark die Effekte im Durchschnitt über viele Studien sind, wurde hier nicht an einer Primärquelle geprüft.

Framing und Diskriminierung

Rahmen entscheiden auch darüber, wie Gruppen dargestellt werden. Eine Rezension in der Zeitschrift „GENDER“ beschreibt „Gender“ als leeren Signifikanten, der zum Kampfbegriff geworden ist: Er richtet sich gegen Personengruppen, gegen nichtheteronormative Lebensweisen und gegen intellektuelle Konzepte und wird von antigenderistischen Akteurinnen und Akteuren in einem Meta-Diskurs genutzt. Derselbe Band enthält eine Frame-Analyse von Christine Klapeer und Inga Nüthen. Sie zeigt, wie trans Frauen als Gefahr für cis Frauen dargestellt werden und wie das Framing trans-ausschließender radikalfeministischer Diskurse mit jenem antigenderistischer Akteure verschwimmt. Solche Deutungsmuster sind eine Grundlage von Queerfeindlichkeit. Wo sie nicht offen ausgesprochen werden, sondern in scheinbar harmlosen Begriffen stecken, spricht die Forschung von einem Dogwhistle.

Rahmen stecken auch im Recht. § 1353 BGB lautet: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Der Gesetzestext kennt damit eine einzige Ehe. Wer stattdessen von einer Sonderform spricht, wählt einen anderen Rahmen. Das ist eine Einordnung dieses Eintrags, keine Aussage der Quelle.

Frames erkennen

Die vier Funktionen eignen sich als Prüffragen für Texte, Reden und Schlagzeilen:

  • Problem: Was wird als Problem benannt und was nicht erwähnt?
  • Ursache: Wem oder was wird die Schuld zugewiesen?
  • Bewertung: Welche Wörter tragen eine Wertung, etwa Naturmetaphern wie „Welle“?
  • Lösung: Welche Handlung erscheint als naheliegend, welche als undenkbar?

Framing ist nicht dasselbe wie Desinformation: Beim Framing bleibt die Information gleich, nur ihre Verpackung wechselt. Dass Menschen auf Beschreibungen reagieren, obwohl die Fakten identisch sind, gehört zu den kognitiven Verzerrungen, die sich nie ganz ausschalten lassen. Hilfreich ist, denselben Sachverhalt bewusst in einem zweiten Rahmen zu formulieren und zu prüfen, ob sich die Einschätzung ändert.

Einordnung

Der Eintrag stützt sich auf das Politiklexikon und Glossar der bpb, den Originalaufsatz von 1981, Aufsätze von Chong und Druckman sowie Rezensionen und die Veröffentlichung von netzpolitik.org. Nicht ausgewertet wurden der Originaltext von Goffman (1974) und Entman (1993), Meta-Analysen zur Stärke von Framing-Effekten und empirische Daten zur Wirkung in Deutschland.

Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung: Framing (Politiklexikon, nach Schubert und Klein 2020) / Bundeszentrale für politische Bildung: Framing-Theorie (Glossar Kriege und Konflikte) / Tversky und Kahneman (1981): The Framing of Decisions and the Psychology of Choice, Science 211 / Qualitative news frame analysis: a methodology, Communitas 17 (2012), zu Goffman (1974) / George Lakoff (2004): Don’t Think of an Elephant! Know Your Values and Frame the Debate (Verlagstext, OpenAlex) / Rezension zu Elisabeth Wehling: Politisches Framing (2016), Communicatio Socialis 40 / netzpolitik.org (17.02.2019): Framing-Gutachten der ARD, Veröffentlichung und Einordnung / Chong und Druckman (2007): A Theory of Framing and Opinion Formation in Competitive Elite Environments, Journal of Communication / Druckman (2001): On the Limits of Framing Effects: Who Can Frame?, The Journal of Politics / Schulz-Tomančok (2024): Rezension zu Beck, Habed und Henninger (Hrsg.): Blurring Boundaries, GENDER 2/2024 / Bürgerliches Gesetzbuch, § 1353 Eheliche Lebensgemeinschaft


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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