Jevons-Paradox


Kompakt erklärt

Das Jevons-Paradox besagt: Wenn eine Ressource effizienter genutzt werden kann, steigt ihr Gesamtverbrauch – anstatt zu sinken. Der englische Ökonom William Stanley Jevons beobachtete dieses Phänomen bereits 1865: Nachdem effizientere Dampfmaschinen entwickelt wurden, stieg der Kohleverbrauch in England massiv an – weil Dampfmaschinen damit für immer mehr Anwendungen erschwinglich wurden. Heute zeigt sich das Paradox bei Energie, Wasser und digitalen Ressourcen: Effizientere Rechenzentren führen nicht dazu, dass weniger Strom verbraucht wird – sondern dass mehr Rechenzentren gebaut werden. Das Paradox ist kein historisches Kuriosum, sondern ein zentrales Argument dafür, dass Effizienz allein keine Lösung für ökologische Krisen ist.


Für Neugierige

Jevons formulierte das Paradox in „The Coal Question” (1865). In der modernen Ressourcenökonomie ist es als Sonderfall des Rebound-Effekts einzuordnen: Man spricht vom Jevons-Paradox, wenn der Rebound-Effekt 100 % übersteigt – also wenn mehr verbraucht wird als durch die Effizienzsteigerung eingespart wurde (sogenannter „Backfire”-Effekt). Nicht alle Ökonom*innen sind sich einig, wie häufig ein vollständiger Backfire tatsächlich eintritt. Einigkeit besteht jedoch darin, dass Effizienzgewinne allein keine Reduktion des Ressourcenverbrauchs garantieren und durch Suffizienz- und Konsistenzstrategien ergänzt werden müssen.

Quellen: Jevons, W.S. (1865). The Coal Question. Macmillan. / Sorrell, S. & Dimitropoulos, J. (2008). The rebound effect: Microeconomic definitions, limitations and extensions. Ecological Economics, 65(3).


Verwandte Begriffe: Rebound-Effekt · Suffizienz · Postwachstum · Kreislaufwirtschaft