- Bedeutung
- Abfall gar nicht erst entstehen lassen, statt ihn nur besser zu entsorgen
- Definition
- ZWIA seit 2018: Erhaltung aller Ressourcen, ohne Verbrennung und ohne Schadstoffeinträge in Land, Wasser oder Luft
- Alltagsmethode
- Die fünf R nach Bea Johnson: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot
- Rechtsrahmen
- Abfallhierarchie in § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz: Vermeidung steht vor Recycling
- Streitpunkt
- Reicht ein individueller Lebensstil, oder braucht es andere Produkte und Regeln?
Einfach erklärt
Zero Waste (englisch für „null Abfall“) ist das Ziel, Ressourcen so zu nutzen, dass möglichst gar kein Abfall entsteht. Die Zero Waste International Alliance (ZWIA) definiert es seit 2018 als Erhaltung aller Ressourcen durch verantwortungsvolle Produktion, Konsum, Wiederverwendung und Rückgewinnung von Produkten, Verpackungen und Materialien, ohne Verbrennung und ohne Einträge in Land, Wasser oder Luft, die Umwelt oder Gesundheit gefährden (eigene Übersetzung).
Im Alltag bekannt ist die Methode der fünf R von Bea Johnson: Refuse (ablehnen, was nicht gebraucht wird), Reduce (weniger anschaffen), Reuse (wiederverwenden), Recycle (recyceln) und Rot (kompostieren), „und nur in dieser Reihenfolge“, wie sie auf ihrer Website schreibt. Wichtig ist die Rangfolge: Recycling steht erst an vierter Stelle, vorher kommen Ablehnen, Reduzieren und Wiederverwenden. Beispiele sind unverpackt einkaufen, Mehrwegbehälter, Secondhand und gemeinsames Reparieren im Repair Café.
Merke
Zero Waste heißt nicht „alles perfekt trennen“. Es beginnt davor: Abfall gar nicht erst entstehen lassen.
Ausführlich erklärt
Woher der Begriff kommt
Nach Christof Mauch wurde „Zero Waste“ zuerst in der Industrie verwendet. Der Chemiker Paul Palmer, promoviert in Yale und später Gründungsdirektor des Zero Waste Institute im kalifornischen Vacaville, prägte den Begriff in den 1970er Jahren. Sein Interesse war wissenschaftlich und finanziell, nicht ökologisch: Hightech-Firmen im Silicon Valley warfen wertvolle „saubere“ Chemikalien weg, die sich weiterverwenden ließen. Sein Buch „Getting to Zero Waste“ erschien im Januar 2005.
Als Bewegung wuchs Zero Waste in den 2000er Jahren. Die ZWIA entstand ab 2002 aus Treffen von Aktivistinnen, Aktivisten und Fachleuten und beschloss am 29. November 2004 die erste international abgestimmte Definition, die 2009 und 2018 überarbeitet wurde. Die Hausmüll-Variante machte Bea Johnson mit ihrem Buch „Zero Waste Home“ (2013) bekannt; ihre Angabe, ihre Familie komme mit einem Glas Restmüll im Jahr aus, ist eine Selbstauskunft. Seit dem Beschluss der UN-Generalversammlung vom 14. Dezember 2022 gibt es den Internationalen Tag des Zero Waste am 30. März.
Die Abfallhierarchie: Vermeiden vor Recyceln
Das deutsche Recht kennt die Rangfolge ebenfalls. Nach § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz gilt: 1. Vermeidung, 2. Vorbereitung zur Wiederverwendung, 3. Recycling, 4. sonstige Verwertung wie energetische Verwertung, 5. Beseitigung. Im Einzelfall darf davon abgewichen werden, wenn eine andere Maßnahme Mensch und Umwelt über den gesamten Lebenszyklus besser schützt.
Die ZWIA geht weiter. Ihre Hierarchie (Version 8.1) beginnt mit „Rethink/Redesign“, also mit dem Umbau des Systems: Produkte sollen langlebig, reparierbar und demontierbar gestaltet sein, Hersteller ihre Produkte und Verpackungen zurücknehmen, und statt Besitz soll das Teilen von Gütern leichter werden. Danach folgen Reduce, Reuse, Recycle/Compost, Material Recovery und Residuals Management. Verbrennung und die Umwandlung von Abfall in Brennstoff führt die ZWIA als „unacceptable“. Hier unterscheidet sie sich vom Gesetz, das energetische Verwertung als vierte Stufe zulässt. Zur Stufe Reduce hält sie ausdrücklich fest, dass Grundbedürfnisse gedeckt sein sollen: Nicht jeder Mensch muss reduzieren.
Was die Zahlen zeigen
Recycling allein senkt den Abfall nicht. In Deutschland stieg die Menge haushaltstypischer Siedlungsabfälle von 458 Kilogramm je Einwohner im Jahr 2000 auf 519 Kilogramm im Jahr 2023, obwohl der verwertete Anteil von etwa 51 auf 98 Prozent wuchs (68 Prozent stofflich). Bei Verpackungen fielen 2023 17,9 Millionen Tonnen Abfall an, 69,4 Prozent davon wurden recycelt; 1991 waren es noch 15,6 Millionen Tonnen (Umweltbundesamt).
Das Bild ist weltweit ähnlich. Der Ökologe Willi Haas und sein Team schätzten für 2005, dass rund 4 Gigatonnen Abfallmaterial recycelt wurden, bei 62 Gigatonnen verarbeiteter Materialien und Outputs von 41 Gigatonnen im Jahr. Zwei Gründe nennen sie: 44 Prozent der Materialien dienen der Energiegewinnung und stehen damit nicht für Recycling bereit, und die Bestände in Gebäuden, Maschinen und Produkten wachsen weiter, um 17 Gigatonnen im Jahr. Ihre Schlussfolgerung: Strategien am Ende der Kette bleiben begrenzt, nötig sind erneuerbare Energie, weniger Bestandswachstum und Ökodesign. Das passt zu Mauchs Hinweis, dass Abfall nach strenger Zero-Waste-Lesart ein Designfehler ist.
Zero Waste to Landfill ist nicht Zero Waste
Manche Unternehmen werben mit „Zero Waste to Landfill“. Das heißt nur, dass nichts auf der Deponie landet. Mauch weist darauf hin, dass Umleitung (diversion) nicht dasselbe ist wie Recycling und ein Recycling-Programm noch kein Zero-Waste-Konzept: Entscheidend sei, ob Produkte so gestaltet sind, dass sich alle Materialien weiterverwenden lassen. Wer solche Aussagen prüft, findet Hilfe beim Stichwort Greenwashing.
Einzelne Haushalte und das System
Haushalte sind nur ein Teil des Abfalls. 2023 betrug das Brutto-Abfallaufkommen in Deutschland 380,1 Millionen Tonnen, davon 198,8 Millionen Tonnen (52,3 Prozent) Bau- und Abbruchabfälle. Die haushaltstypischen Siedlungsabfälle machten 43,9 Millionen Tonnen aus. Beim Verpackungsverbrauch nennt das Umweltbundesamt als Treiber unter anderem kleinere Füllgrößen durch mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte und ältere Menschen, Portionspackungen, To-go-Gastronomie und den Versandhandel: Papierverpackungen im Distanzhandel nahmen von 1996 bis 2017 um 607 Prozent zu. Vieles davon liegt bei Herstellern, Handel und Politik oder in veränderten Lebensumständen, nicht in einzelnen Kaufentscheidungen.
Zur Reichweite des eigenen Handelns
Der eigene Einkauf verändert Menge und Art der Verpackung, die ein Haushalt verursacht, etwa durch Mehrweg: 2024 wurden 34,5 Prozent der Getränke in Mehrwegverpackungen abgefüllt. Die großen Mengen fallen aber bei Bau und Abbruch an, dazu kommt, wie Produkte gestaltet sind. Zero Waste als persönliche Praxis kann sinnvoll sein, als alleinige Antwort greift es zu kurz.
Zero Waste fragt zuerst, warum etwas überhaupt zu Abfall werden muss, und erst danach, wohin er kommt.
Kerngedanke
Verwandte Konzepte
Die Kreislaufwirtschaft ist das wirtschaftspolitische Gegenstück: Rohstoffe sollen im Umlauf bleiben statt linear verbraucht zu werden. Zero Waste setzt davor an und fragt, ob ein Produkt oder eine Verpackung nötig ist. Auf dieser Frage bauen auch Suffizienz und die Kritik am Überkonsum auf.
Was du tun kannst
- Frage dich vor dem Kauf, ob du das Produkt brauchst, und lehne Unnötiges ab (Stufe 1 der ZWIA-Hierarchie).
- Repariere, leihe oder kaufe gebraucht, bevor du Neues anschaffst. Hilfe gibt es im Repair Café und im Blogartikel zur Repair-Café-Bewegung.
- Nimm bei Getränken Leitungswasser oder regionale Mehrwegflaschen. Das Umweltbundesamt bevorzugt Leitungswasser und nennt regionale Mehrwegflaschen besonders günstig.
- Zero Waste ist keine Pflicht für alle: Wer bestimmte Einwegprodukte braucht, macht nichts falsch. Die ZWIA hält fest, dass Grundbedürfnisse gedeckt sein sollen.
Quellen: Zero Waste International Alliance: Zero Waste Definition (2018, mit Vorläuferfassungen 2004 und 2009) / Zero Waste International Alliance: Zero Waste Hierarchy of Highest and Best Use, Version 8.1 / Zero Waste International Alliance: History of ZWIA / Mauch, Christof (Hg., 2016): A Future without Waste? Zero Waste in Theory and Practice, RCC Perspectives 3 (Einleitung) / Palmer, Paul (2005): Getting to Zero Waste, Purple Sky Press (Katalogeintrag) / Bea Johnson: Zero Waste Home (Methode der fünf R); Buch: Zero Waste Home, Scribner 2013 / Haas, Krausmann, Wiedenhofer, Heinz (2015): How Circular is the Global Economy?, Journal of Industrial Ecology 19 (Abstract) / Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), § 6 Abfallhierarchie / Umweltbundesamt: Abfallaufkommen (Stand 2023) / Umweltbundesamt: Verpackungsabfälle (Stand 2023, Mehrwegquote 2024) / Vereinte Nationen: International Day of Zero Waste, 30. März
Wie gemeinschaftliches Reparieren statt Wegwerfen konkret aussehen kann: Die Repair-Café-Bewegung: Warum Reparieren das neue Kaufen ist.
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