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- Die DR Kongo liefert nach Schätzung der US-Geologiebehörde rund die Hälfte des weltweit geförderten Tantals, das unter anderem in Kondensatoren von Smartphones steckt.
- Laut UN-Expertengruppe kontrolliert die bewaffnete Gruppe AFC/M23 die Coltan-Mine Rubaya, erhebt dort Steuern und lässt Mineralien nach Ruanda bringen, wo sie sich mit anderer Herkunft vermischen.
- Das deutsche Lieferkettengesetz begründet keine eigene zivilrechtliche Haftung, und die EU-Richtlinie wurde 2026 abgeschwächt und verschoben.
- Für Smartphones gelten in der EU seit dem 20. Juni 2025 Mindestvorgaben: Ersatzteile sieben Jahre, Betriebssystem-Updates fünf Jahre.
In vielen Smartphones sitzt Tantal in Kondensatoren. Das Erz dafür heißt Coltan, eine Kurzform für Columbit-Tantalit. Den größten Anteil des weltweit geförderten Tantals liefert nach Schätzung der US-Geologiebehörde USGS die Demokratische Republik Kongo: 1.300 von 2.500 Tonnen Tantalgehalt im Jahr 2025. Die Zahl für das Land wurde zuletzt auf Grundlage eines Regierungsberichts deutlich revidiert, sie bleibt also eine Schätzung.[1]
Dieser Artikel trennt, was in der Lieferkette belegt ist, von dem, was sich nicht sagen lässt. Er zeigt, was Gesetze leisten, wo sie 2026 abgeschwächt wurden, und was du tun kannst, ohne dass die Verantwortung bei dir allein landet.
Ein Metall in kleinen Mengen
Pro Gerät ist die Menge klein. Die EU-Ökodesign-Verordnung für Smartphones verlangt seit dem 20. Juni 2025, dass Hersteller die Masse an Tantal in den Kondensatoren öffentlich in Spannen angeben: weniger als 0,01 Gramm, zwischen 0,01 und 0,1 Gramm oder mehr als 0,1 Gramm.[2] Das Problem ist also nicht ein einzelnes Handy, sondern die Frage, woher das Erz stammt und wer daran verdient.
Ersetzen lässt sich Tantal in Kondensatoren durch Aluminium, Keramik oder Niob, allerdings mit Leistungseinbußen oder höheren Kosten. Recyceltes Tantal stammt in den USA vor allem aus Produktionsabfällen der Bauteilherstellung und kann bis zu 30 Prozent des Verbrauchs der Primärverarbeiter decken.[1]
Was in Nord-Kivu belegt ist
Eine der wenigen unabhängigen Quellen ist die Expertengruppe des UN-Sicherheitsrats zur DR Kongo. Sie wertet Satellitenbilder, Zollunterlagen und Aussagen von Beteiligten aus. Ihr Bericht vom Juni 2026 stellt fest: Alle bewaffneten Akteure begingen Verstöße, den größten Anteil verantwortet die Allianz AFC/M23. Sie kontrolliert auch die Coltan-Mine Rubaya in Masisi, Nord-Kivu, die sie im April 2024 eroberte.[3][4]
Die Gruppe schätzte für 2024 rund 120 Tonnen Coltan im Monat unter der Kontrolle von AFC/M23. Aus der Besteuerung von Produktion und Handel flossen mindestens 800.000 US-Dollar monatlich.[4] Satellitenvergleiche vom März 2026 zeigen laut Bericht, dass die Förderung die Schätzung von 2024 überschreitet. Die Steuer lag zuletzt bei 4 US-Dollar je Kilogramm Coltan, nach 7 US-Dollar im Jahr 2024.[3]
Die Mineralien bleiben nicht in der Region. Nach den Berichten laufen sie über kontrollierte Transportwege nach Ruanda. Dort würden sie mit ruandischer Produktion vermischt und so in die weitere Lieferkette gebracht. Ruandas Exporte von Zinnerz stiegen 2025 um 58 Prozent, von 4.859 auf 7.700 Tonnen, die von Coltan ähnlich, aber weniger stark. Die Expertengruppe hält das für zeitlich und mengenmäßig vereinbar mit Schmuggel aus Gebieten von AFC/M23 und wartete bei Berichtsabschluss auf eine Antwort der Regierung Ruandas auf ihre Anfrage.[5][3]
Auch die Rückverfolgung ist betroffen. Anfang 2025 plünderte AFC/M23 laut Bericht in Goma und Bukavu Lager mit mehr als 500 Tonnen Zinn-, Tantal- und Wolframerzen. Das Rückverfolgungssystem ITSCI erklärte die zugehörigen Etiketten für ungültig.[5] Diplomatische Bemühungen brachten laut Bericht nur begrenzte Fortschritte, Zusagen zu Waffenruhe und Rückzug wurden nur teilweise umgesetzt.[3] Im Juni 2025 hatten die DR Kongo und Ruanda ein Friedensabkommen unterzeichnet.[1]
Menschen vor Ort sind keine Randnotiz
Rund 10.000 Menschen arbeiteten laut dem Bericht von 2024 in Rubaya in den verschiedenen Phasen des Abbaus. Sie sind keine einheitliche Gruppe und keine passiven Opfer: Es gibt Genossenschaften von Kleinschürfenden, doch AFC/M23 vertrieb den Leiter der Masisi Artisanal Miners Cooperative aus Rubaya. Wer dort schürft oder handelt, musste Jahresgebühren von 25 beziehungsweise 250 US-Dollar zahlen, und Einheimische wurden zu Zwangsarbeit verpflichtet, um Straßen für den Mineraltransport zu verbreitern.[4]
Dass Rohstoffe aus ehemals kolonisierten Regionen für den Weltmarkt gefördert werden, hat eine Vorgeschichte, die das Lexikon unter Kolonialismus beschreibt. Für die einzelne Mine reicht sie als Erklärung nicht aus. Belegt ist, wer dort Steuern erhebt, Transport kontrolliert und wer in Ruanda und darüber hinaus kauft.
Wo der Regenwald ins Spiel kommt
Das Wort im Titel verdient eine Einordnung. Die belegten Coltan-Mengen stammen vor allem aus dem Gebiet um Rubaya in Masisi, wo laut Expertengruppe der Großteil der Coltan-Produktion Nord-Kivus liegt.[3] Dass dafür Regenwald gerodet wird, belegen die ausgewerteten Berichte dort nicht. Illegalen Abbau von Zinn, Wolfram und Tantal dokumentierte die Gruppe aber auch in Schutzgebieten wie dem Virunga-Nationalpark, in einem Fall für das Jahr 2017.[4]
Aktuelle Waldzerstörung im Osten des Landes belegt der Bericht von 2024 dagegen für illegalen Holzeinschlag im Virunga-Nationalpark. In den Gebieten Nyiragongo und Rutshuru erreichte die Entwaldung seit 2021 ein nie dagewesenes Ausmaß, und die Gruppe M23 ließ laut Bericht rund 40 Tonnen Holz pro Woche schlagen.[6] Coltan und Regenwald hängen also zusammen, aber über Schutzgebiete, Schmuggelwege und bewaffnete Gruppen, nicht über eine einzige Ursache.
Geräte, die früher ersetzt werden, brauchen mehr Rohstoffe
Ob Hersteller Geräte absichtlich schneller altern lassen, lässt sich im Einzelfall schwer belegen. Der Lexikon-Eintrag zu geplanter Obsoleszenz ordnet das ein. Unabhängig von der Absicht gilt: Wird ein Gerät früher ersetzt, entsteht Bedarf an Neuproduktion.
Seit dem 20. Juni 2025 setzt die EU Mindestvorgaben für Smartphones. Hersteller müssen Ersatzteile wie Akku, Kameras, Ladeanschluss und Lautsprecher für mindestens sieben Jahre nach dem Ende des Inverkehrbringens bereitstellen, in den ersten fünf Jahren mit einer Lieferfrist von fünf Arbeitstagen. Betriebssystem-Updates müssen mindestens fünf Jahre ab dem Ende des Inverkehrbringens kostenlos bereitstehen. Der Akku muss nach 800 Ladezyklen noch 80 Prozent Kapazität haben.[2] Die Fristen beginnen nicht beim Kauf, sondern wenn der Hersteller ein Modell nicht mehr in Verkehr bringt.
Was Lieferkettenregeln leisten und was nicht
Die EU-Konfliktmineralienverordnung gilt in ihren zentralen Pflichten seit dem 1. Januar 2021. Sie verpflichtet Unionseinführer von Zinn, Tantal, Wolfram, deren Erzen und Gold zu Sorgfaltspflichten. Anhang I listet Erze und Metalle, fertige Geräte stehen dort nicht, und recycelte Metalle sind weitgehend ausgenommen.[7]
Nach der Hütte oder Raffinerie lässt sich der Ursprung der Minerale laut EU-Verordnung oft nicht mehr zurückverfolgen.
Kerngedanke
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt seit 2023 und seit 2024 für Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten im Inland. Es schreibt vor, Risiken zu analysieren und Maßnahmen zu ergreifen. Eine Verletzung der Pflichten begründet aber keine zivilrechtliche Haftung, eine unabhängig davon bestehende Haftung bleibt unberührt. Wer in überragend wichtigen Rechten verletzt wird, kann einer inländischen Gewerkschaft oder Nichtregierungsorganisation die Prozessführung übertragen.[8] Das Netzwerk CorA kritisierte 2022, dass eine zivilrechtliche Haftungsregel fehle und die behördliche Kontrolle der einzige Durchsetzungshebel sei.[9]
Auch diese Kontrolle wird gelockert. Der Regierungsentwurf sieht vor, die Berichtspflicht zu streichen und nur noch schwere Verstöße zu sanktionieren. Der Bundestag beriet ihn am 16. Januar 2026 erstmals, die Bundesregierung will das LkSG durch ein Gesetz zur internationalen Unternehmensverantwortung ersetzen, das die EU-Richtlinie umsetzt.[10] Das BAFA stellte die Prüfung der Berichte schon am 1. Oktober 2025 ein.[11] Die gesetzliche Fassung enthielt bei Abruf am 14. Oktober 2026 die Berichtspflicht noch, ein Abschluss des Verfahrens war in den geprüften Quellen nicht belegt.[8]
Die EU-Richtlinie über Sorgfaltspflichten (CSDDD) datiert vom 13. Juni 2024.[12] Mit der Richtlinie (EU) 2026/470 vom 24. Februar 2026 stieg die Schwelle von 1.000 Beschäftigten und 450 Millionen Euro Umsatz auf 5.000 Beschäftigte und 1,5 Milliarden Euro Nettoumsatz. Die Mitgliedstaaten müssen sie bis zum 26. Juli 2028 umsetzen, anzuwenden ist sie ab dem 26. Juli 2029.[13] Die eigene EU-weite Haftungsregelung wurde gestrichen. Haftet ein Unternehmen nach nationalem Recht, haben Geschädigte Anspruch auf vollständige Entschädigung, und die Mitgliedstaaten müssen wirksamen Zugang zur Justiz sichern.[13]
Was sich nicht sagen lässt
Die Zahlen zu Rubaya stammen aus Schätzungen der UN-Expertengruppe auf Basis von Satellitenbildern, Zeugenaussagen und Zolldaten. Wie viel Coltan aus Rubaya in einem bestimmten Smartphone steckt, ist damit nicht zu beantworten. Auch die Angaben zu Ruandas Exporten sind Feststellungen der Expertengruppe, die bei Berichtsabschluss noch auf eine Antwort der Regierung Ruandas wartete. Die Lage ändert sich schnell: Prüfe vor dem Weitergeben die jüngsten Berichte.
Was du tun kannst
Kein Konsumverhalten löst strukturelle Probleme. Aber es gibt Entscheidungen, die Neuproduktion senken und Druck auf Hersteller aufbauen.
Gerät länger nutzen. Jede Neuproduktion braucht Rohstoffe. Der Akkutausch wird einfacher, weil Hersteller den Akku seit Juni 2025 als Ersatzteil bereithalten müssen.
Reparieren lassen. Reparaturinitiativen wie das Repair Café helfen bei vielen Defekten.
Gebraucht oder generalüberholt kaufen. Das kann Neuproduktion ersetzen. Frag nach Garantie und Akkuzustand.
Altgeräte abgeben. Alte Handys in der Schublade nützen niemandem. Gib sie zum Weiterverkauf, zur Spende oder zum Recycling.
Hersteller anfragen. Seit Juni 2025 müssen sie Angaben zu Tantal, Kobalt und weiteren Materialien veröffentlichen. Schreib ihnen, woher das Erz stammt und welche Hütten sie nutzen.
Alternativen prüfen. Fairphone bietet Ersatzteile an und beschreibt eigene Programme für fair beschaffte Materialien.[14] Das ist Selbstauskunft und keine unabhängige Prüfung, ein Hinweis, kein Beweis.
Genauso wichtig ist politischer Druck. Ob Lieferkettenregeln Haftung enthalten und wirksam kontrolliert werden, entscheidet sich in Parlamenten. Schreib Abgeordneten, wenn du das ändern willst.
Quellen
[1] U.S. Geological Survey (Februar 2026): Mineral Commodity Summaries 2026, Tantalum (PDF). pubs.usgs.gov (PDF)
[2] Verordnung (EU) 2023/1670 der Kommission vom 16. Juni 2023 zur Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für Smartphones, Mobiltelefone, schnurlose Telefone und Slate-Tablets, Artikel 10 und Anhang II Teil B. eur-lex.europa.eu
[3] UN-Sicherheitsrat, Expertengruppe zur DR Kongo (11.06.2026): Abschlussbericht S/2026/466, Zusammenfassung und Ziffern 213 bis 225. docs.un.org
[4] UN-Sicherheitsrat, Expertengruppe zur DR Kongo (27.12.2024): Zwischenbericht S/2024/969, Ziffern 56 bis 66 und Anhang 29. docs.un.org
[5] UN-Sicherheitsrat, Expertengruppe zur DR Kongo (03.07.2025): Abschlussbericht S/2025/446, Ziffern 109 bis 121. docs.un.org
[6] UN-Sicherheitsrat, Expertengruppe zur DR Kongo (04.06.2024): Abschlussbericht S/2024/432, Ziffern 125 und 129. docs.un.org
[7] Verordnung (EU) 2017/821 vom 17. Mai 2017 zur Festlegung von Pflichten zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten in der Lieferkette für Unionseinführer von Zinn, Tantal, Wolfram, deren Erzen und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten. eur-lex.europa.eu
[8] Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), § 1, § 3 Absatz 3, § 10 und § 11 (Fassung auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 14.10.2026). gesetze-im-internet.de
[9] CorA-Netzwerk und Initiative Lieferkettengesetz (28.12.2022): Pressestatement zum Inkrafttreten des LkSG. cora-netz.de
[10] Deutscher Bundestag (16.01.2026): Vorlagen zum Lieferkettengesetz debattiert, zum Gesetzentwurf Drucksache 21/2474. bundestag.de
[11] Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Lieferketten, Hinweis vom 01.10.2025 zu Vereinfachungen beim Lieferkettengesetz. bafa.de
[12] Richtlinie (EU) 2024/1760 vom 13. Juni 2024 über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit. eur-lex.europa.eu
[13] Richtlinie (EU) 2026/470 vom 24. Februar 2026 (Omnibus I), Erwägungsgründe 37, 46 und 49, Artikel 4. eur-lex.europa.eu
[14] Fairphone: Fair Materials, Selbstdarstellung des Unternehmens (abgerufen am 14.10.2026). fairphone.com



