Wie viel CO₂ eine KI-Anfrage erzeugt

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Wenn du ChatGPT eine Frage stellst, antwortet ein Sprachmodell in Sekunden. Was dabei nicht zu sehen ist: ein riesiges Rechenzentrum, das diese Antwort produziert. Mit Strom. Mit Wasser. Mit Rohstoffen, die irgendwo auf der Welt aus dem Boden geholt wurden. KI ist nicht immateriell. Sie hat eine physische Dimension, die wir selten mitdenken.

Eine Anfrage, 10-mal mehr Strom als eine Google-Suche

Eine typische ChatGPT-Anfrage verbraucht rund 3 Wattstunden Strom. Eine Google-Suche liegt bei etwa 0,3 Wattstunden. KI benötigt also ungefähr das Zehnfache einer einfachen Suchanfrage.

Das klingt klein. Aber bei weltweit täglich Hunderten Millionen Anfragen summiert sich das schnell. Die operativen CO₂-Emissionen von KI werden für 2025 auf 32,6 bis 79,7 Millionen Tonnen geschätzt. Zum Vergleich: New York City stößt jährlich rund 52 Millionen Tonnen aus. KI bewegt sich damit bereits in derselben Größenordnung.

Und das Wachstum ist rasant. Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace zeigt: Der Energiebedarf von KI-Rechenzentren wird bis 2030 11-mal so hoch sein wie 2023. Die jährlichen CO₂-Emissionen steigen dabei von 29 auf 166 Millionen Tonnen.

Wasser: unsichtbarer Verbrauch, sichtbare Folgen

Rechenzentren brauchen nicht nur Strom, sondern auch enorme Mengen Wasser zur Kühlung. Ein großes Rechenzentrum verbraucht jährlich zwischen 300 und 490 Millionen Liter. Das entspricht dem Wasserverbrauch einer mittelgroßen deutschen Stadt.

Microsoft steigerte seinen Wasserverbrauch zwischen 2021 und 2022 um 34 Prozent. Google um mehr als 25 Prozent. Beide Konzerne haben sich Klimaneutralität bis 2030 versprochen. Ihre aktuellen Wasserbilanzen erzählen eine andere Geschichte.

Bis 2027 könnte KI weltweit 6,6 Milliarden Kubikmeter Wasser jährlich beanspruchen, entsprechend der Hälfte des gesamten britischen Wasserverbrauchs. Etwa die Hälfte davon fällt in Regionen an, die bereits unter Wasserstress leiden. Die Greenpeace-Studie rechnet damit, dass sich der globale Kühlwasserverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf 664 Milliarden Liter vervierfacht.

Um das einzuordnen: Ein Kilogramm Rindfleisch verbraucht in der Produktion rund 15.415 Liter Wasser. Dieser Wert besteht allerdings zu fast 94 Prozent aus Niederschlagswasser für den Futteranbau. Der Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren greift hingegen direkt auf Grund- und Trinkwasser zu. Beides hat Folgen für Ökosysteme, auf unterschiedlichen Wegen.

Rohstoffe: Was in der Hardware steckt

Bevor ein Rechenzentrum überhaupt laufen kann, muss Hardware gebaut werden. GPU-Chips, Kabel, Kühlsysteme. Dafür braucht es unter anderem Lithium und seltene Erden.

Chile produziert rund ein Drittel des weltweiten Lithiums, größtenteils aus der Atacama-Wüste. Die Förderung dort verbraucht bis zu 65 Prozent des lokalen Wasserverbrauchs. Die Folgen sind bereits messbar: Die Flamingo-Populationen in der Atacama sind durch den Wasserentzug deutlich zurückgegangen. Diese Rohstoffkette ist kein Randthema. Sie ist der Anfang jedes KI-Systems.

E-Schrott: das Ende der Hardware-Kette

Was am Anfang Rohstoff war, wird am Ende Elektroschrott. Die Studie des Öko-Instituts schätzt, dass die Expansion von KI-Infrastruktur bis 2030 bis zu 5 Millionen zusätzliche Tonnen E-Schrott produzieren könnte. Ein Volumen, für das es kaum ausreichende Recyclingstrukturen gibt.

KI und Machtsysteme: ein kurzer, wichtiger Einschub

KI ist nicht nur ein Umweltthema. Sie ist ein Machtthema.

In Xinjiang kombiniert der chinesische Staat Gesichtserkennung, Bewegungsprofile und Prädiktionsmodelle, um bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch zu überwachen. Das chinesische Sozialkreditsystem bewertet Bürger*innen und beschränkt ihren Zugang zu Jobs, Krediten und Reisen auf Basis von KI-Bewertungen. Russland setzt KI ein, um Demonstrant*innen zu identifizieren. Im Iran werden Frauen, die die Kopftuchpflicht missachten, von KI-Systemen erkannt und gemeldet.

Westliche Unternehmen sind nicht außen vor: Firmen wie Palantir und die NSO Group liefern Technologie, die weltweit in Überwachungskontexten eingesetzt wird.

Das verdient einen eigenen Artikel. Was sich hier festhalten lässt: KI ist ein Werkzeug, dessen Potenzial zur Machtkonzentration und zur Unterdrückung politischer Opposition wir noch kaum öffentlich diskutieren.

Was nachhaltigere Nutzung konkret bedeutet

Einige Hebel gibt es.

Technisch: effizientere Modelle und Chips, die weniger Rechenleistung brauchen. Wassersparende Kühlsysteme. Rechenzentren, die nah an erneuerbaren Energiequellen gebaut werden.

Politisch: verbindliche Transparenzpflichten. Wer KI anbietet, sollte ausweisen müssen, wie viel Energie, Wasser und CO₂ jede Anfrage kostet. Aktuell veröffentlichen das die wenigsten Anbieter.

Für die eigene Nutzung: wenige, gezielte Anfragen statt Dauerbeschuss. Spezifische KI-Modelle sind effizienter als Generalistenmodelle. Wer die Wahl hat, kann auf Anbieter achten, die Transparenz zu Energieverbrauch und Wassernutzung veröffentlichen.

KI wird nicht verschwinden. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen sie läuft, wer dafür bezahlt und womit.


Quellen: Dialoglabor: 500 Liter Trinkwasser: Die physische Dimension moderner KI · TechZeitgeist: Ökologischer Fußabdruck der KI 2025 · Greenpeace Presseportal: Öko-Institut-Studie KI-Energiehunger · TechZeitgeist: Digitale Diktaturen · WFD: Wasserfußabdruck von Fleisch


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