Bestätigungsfehler


Kompakt erklärt

Der Bestätigungsfehler beschreibt die Tendenz, Informationen bevorzugt so zu suchen, wahrzunehmen und zu deuten, dass sie die eigene Meinung bestätigen, während widersprechende Fakten übersehen oder kleingeredet werden. Ein Beispiel: Wer überzeugt ist, montags seien alle besonders schlecht gelaunt, registriert an Montagen jede genervte Person besonders aufmerksam, während freundliche Begegnungen einfach nicht auffallen. Am Ende scheint sich die ursprüngliche Annahme zu bestätigen, obwohl in Wahrheit nur selektiv hingeschaut wurde. Der Bestätigungsfehler betrifft nicht nur Alltagsmeinungen, sondern auch, wie Menschen mit Nachrichten, wissenschaftlichen Studien oder politischen Debatten umgehen: Wer von einer bestimmten Klimapolitik überzeugt ist, liest eher Artikel, die diese Position stützen, und zweifelt automatisch an Quellen, die dagegensprechen. Das macht den Bestätigungsfehler zu einem der einflussreichsten Denkfehler überhaupt, weil er sich selbst verstärkt und dabei kaum auffällt, gerade weil er sich wie gesunder Menschenverstand anfühlt.


Für Neugierige

Geprägt wurde der Begriff vom britischen Psychologen Peter Wason, der in den 1960er Jahren zeigte, wie Versuchspersonen bei einer logischen Testaufgabe systematisch nur nach Bestätigung ihrer ersten Hypothese suchten, statt aktiv nach Gegenbeweisen zu forschen. Wason ließ sich dabei von Karl Poppers Falsifikationismus inspirieren, der Wissenschaft gerade dadurch definiert, dass Theorien bewusst durch den Versuch der Widerlegung geprüft werden, nicht durch die Suche nach weiteren Bestätigungen. Der Bestätigungsfehler wirkt über mehrere Kanäle gleichzeitig: bei der Informationssuche, bei der Erinnerung, die bestätigende Details besser abspeichert, und bei der Interpretation mehrdeutiger Fakten. In Zeiten von Algorithmen, die Inhalte nach bisherigem Klickverhalten sortieren, verstärkt sich der Effekt zusätzlich, verwandt, aber nicht identisch mit dem Phänomen der Filterblase. Wer den eigenen Bestätigungsfehler ernst nimmt, sucht deshalb aktiv nach der besten Version der Gegenposition, nicht nur nach ihrer schwächsten.

Quelle: Wikipedia: Bestätigungsfehler (mit Verweis auf Wason 1960/1968) / Scribbr: Confirmation Bias


Verwandte Begriffe: Framing · Filterblasen · Desinformation · Wissenschaftsleugnung / Science Denial




Vertrag widerrufen