Textilmüllwüste Atacama


Kompakt erklärt

In der chilenischen Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt, türmen sich Berge aus weggeworfener Kleidung, mancherorts fast 20 Meter hoch. Schätzungen zufolge landen dort jährlich etwa 40.000 Tonnen Textilien illegal. Die Deponie ist inzwischen so groß, dass sie auf Satellitenbildern aus dem All zu erkennen ist.

Der Weg dorthin führt über den Freihafen Iquique, wo wöchentlich Container mit Altkleidung aus aller Welt zollfrei ankommen. Verkäufliche Stücke werden auf lokalen Märkten weiterverkauft, der Rest landet in der Wüstenstadt Alto Hospicio und Umgebung. Weil synthetische Fasern wie Polyester bis zu 500 Jahre zur Zersetzung brauchen und Deponien häufig illegal angezündet werden, sprechen die Vereinten Nationen von einem „ökologischen und sozialen Notfall“.


Für Neugierige

Die Atacama-Wüste ist ökologisch besonders empfindlich: Manche Regionen erleben jahrzehntelang keinen Regen, wodurch sich hier eigene, hoch angepasste Ökosysteme entwickelt haben. Durch die Textildeponien und das Anzünden von Kleidermüll gelten einzelne Kakteenarten bereits als lokal ausgestorben. Die Region zeigt, wie Umweltfolgen von Fast Fashion verlagert statt gelöst werden: Kleidung, die in Europa, Nordamerika oder Asien nicht mehr verkauft werden kann, verschwindet nicht, sie wandert nur an einen Ort, an dem sie weniger sichtbar ist.

Chile selbst hat kaum regulatorische Möglichkeiten, den Zustrom zu stoppen, weil Iquique als Freihandelszone konzipiert wurde, um genau solchen Handel zu erleichtern. Umweltorganisationen fordern deshalb internationale Regeln, die Herstellerländer stärker in die Verantwortung nehmen, etwa nach dem Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung, wie es die EU derzeit für Textilien diskutiert.

Quelle: watson.ch (2023): So landen Altkleider auf dem Abfallberg der chilenischen Atacama-Wüste


Verwandte Begriffe: Fast Fashion · Altkleider-Export · Mikroplastik · Globaler Süden · Kantamanto Market




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