Kompakt erklärt
„Mitumba“ ist Kiswahili für „Ballen“ und bezeichnet in Ostafrika gebrauchte Kleidung, die in großen Bündeln importiert und weiterverkauft wird. Für viele Menschen ist Mitumba die wichtigste, oft einzige bezahlbare Kleidungsquelle, ein riesiger informeller Wirtschaftszweig mit eigenen Händler*innen und Sortierbetrieben.
Gleichzeitig ist der Import auch Textilmüll im großen Stil: Jährlich kommen mehrere Hunderttausend Tonnen gebrauchter Textilien in ostafrikanischen Häfen an, ein erheblicher Teil davon ist von so schlechter Qualität, dass er direkt als Abfall endet. 2015 plante die East African Community (Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda, Burundi), Mitumba-Importe schrittweise zu verbieten, um die heimische Textilproduktion zu stärken. Als die USA daraufhin mit dem Ausschluss aus einem zollfreien Handelsabkommen drohten, gaben die meisten Länder nach. Nur Ruanda hielt an höheren Einfuhrzöllen fest und wurde dafür 2018 teilweise von dem Abkommen ausgeschlossen.
Für Neugierige
Der Konflikt um Mitumba wird oft vereinfacht als direkter Wettbewerb zwischen Secondhand-Importen und lokaler Textilproduktion erzählt. Neuere Studien relativieren das: Der Niedergang westafrikanischer Textilindustrien seit den 1980er-Jahren hatte mehrere Ursachen gleichzeitig, darunter Handelsliberalisierung, Schmuggel billiger Neuware und hohe lokale Produktionskosten. Mitumba war ein Faktor unter mehreren, nicht die alleinige Ursache.
Ruandas Beispiel zeigt trotzdem, wie eng Handelspolitik mit wirtschaftlicher Souveränität verknüpft ist: Das Land erhöhte die Einfuhrzölle auf Mitumba von umgerechnet 20 US-Cent auf 2,50 US-Dollar pro Kilogramm, mit dem erklärten Ziel, Importe langfristig auslaufen zu lassen, auch auf das Risiko hin, wirtschaftliche Vorteile im Handel mit den USA zu verlieren. Wie sich der ostafrikanische Textilmarkt langfristig entwickelt, zwischen bezahlbarer Kleidung und einheimischer Produktion, bleibt eine offene Verhandlung zwischen mehreren berechtigten Interessen.
Quelle: Welt-Sichten: Afrika braucht das Gebrauchte / Africanews (2018): Rwanda sticks to its guns on used clothes ban
Verwandte Begriffe: Kantamanto Market · Fast Fashion · Altkleider-Export · Globaler Süden · Textilarbeiter*innenrechte



