Nachhaltigkeit

Waschmaschinenfilter (Mikroplastik)

Waschmaschinenfilter fangen Kunstfasern aus dem Waschwasser auf. Was Tests zeigen, was in Frankreich und der EU gilt und was sonst hilft.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Gerät oder Zubehör, das Kunstfasern aus dem Waschwasser auffängt, bevor sie ins Abwasser gelangen
Bauformen
Eingebauter Filter, externer Filter am Abwasserschlauch, Wäschebeutel oder Kugel in der Trommel
Frankreich
Pflicht für neue Waschmaschinen im Gesetz seit 2020, laut Senatsantwort vom 1. Oktober 2026 aber noch ohne das nötige Dekret
EU
Keine EU-weite Filterpflicht in den geprüften Rechtstexten, Filter gelten dort als eine von mehreren Optionen
Belegte Wirkung
In Tests je nach Gerät 26 bis 87 Prozent weniger Fasern im Waschwasser

Einfach erklärt

Beim Waschen lösen sich aus Kleidung winzige Fasern. Das betrifft Kunstfasern wie Polyester, Polyamid oder Acryl, die als Mikroplastik in Gewässer und Böden gelangen können, und ebenso Baumwolle. Ein Waschmaschinenfilter soll solche Fasern auffangen, bevor sie die Maschine mit dem Abwasser verlassen. Es gibt eingebaute Filter, externe Filter am Abwasserschlauch und Hilfsmittel für die Trommel, etwa Wäschebeutel.

Frankreich hat bereits 2020 gesetzlich festgelegt, dass neue Waschmaschinen ab dem 1. Januar 2025 mit einer solchen Lösung ausgestattet sein müssen. Wie die Quellen zeigen, ist die Pflicht bisher aber nicht in Kraft getreten: Das Ausführungsdekret fehlt noch.

Merke

Ein Filter fängt Fasern ab, die schon freigesetzt wurden. Er verändert nicht, wie viele Fasern Kleidung verliert. Und die französische Filterpflicht steht zwar im Gesetz, ist nach dem Stand vom 1. Oktober 2026 aber nicht umgesetzt.


Ausführlich erklärt

Was beim Waschen freigesetzt wird

Napper und Thompson (2016) wuschen Polyester, eine Polyester-Baumwoll-Mischung und Acryl unter verschiedenen Bedingungen. Sie schätzten, dass aus einer durchschnittlichen Ladung von 6 Kilogramm Acrylstoff mehr als 700.000 Fasern freigesetzt werden könnten. Die Zahl gilt also für Acryl und ist eine Schätzung, kein fester Wert für jeden Waschgang. Die Mischung aus Polyester und Baumwolle verlor deutlich weniger Fasern als reines Polyester oder Acryl.

Hernandez et al. (2017) untersuchten Polyesterstoffe im Labor. Unter den getesteten Faktoren erhöhte Waschmittel die freigesetzte Masse am stärksten, und die meisten Fasern waren 100 bis 800 Mikrometer lang. Die Forschenden vermuten, dass lose Faserenden oder Rückstände aus der Garnherstellung dafür verantwortlich sein könnten. Klasmeier und Wissing (2017) fanden in ihrem Bericht ebenfalls, dass die Oberfläche wichtiger war als das Material: Glatte Polyester-Sportkleidung gab 16 bis 50 Milligramm Rückstand pro Kilogramm Wäsche ab, Fleece und Wohndecken aus Polyester 18 bis 156 Milligramm, Baumwolle 34 bis 108 Milligramm.

Naturfasern sind damit nicht faserfrei. Zambrano et al. (2019) stellten im beschleunigten Labortest fest, dass Baumwolle und Viskose pro Gramm Stoff mehr Mikrofasern abgaben (0,2 bis 4 Milligramm) als Polyester (0,1 bis 1 Milligramm). Der Unterschied liegt im Verbleib: Fasern aus Baumwolle und Viskose bauen sich in Gewässern nach denselben Versuchen voraussichtlich ab, Polyesterfasern dürften lange bestehen bleiben. Die Hochrechnung von Klasmeier und Wissing (2017) kam mit Annahmen zu Wäschemengen auf etwa 10,65 Gramm Naturfasern und 6,25 Gramm synthetische Fasern pro Person und Jahr. Dass Kunstfasern lange erhalten bleiben, macht sie aus Umweltsicht besonders relevant.

700.000Fasern könnten aus einer 6-Kilogramm-Ladung Acrylstoff freigesetzt werden (Schätzung)
87 %der Fasern hielt der Filter Lint LUV-R in einem Test mit Fleecedecken zurück
97Haushalte erhielten in Parry Sound (Kanada) einen Filter für eine Praxisstudie

Was Filter nachweislich leisten

McIlwraith et al. (2019) testeten zwei Produkte mit Fleecedecken. Der Filter Lint LUV-R hielt im Mittel 87 Prozent der Fasern nach Anzahl zurück, die Cora Ball in der Trommel dagegen 26 Prozent. Napper et al. (2020) verglichen sechs Geräte: Der Filter XFiltra senkte die Freisetzung ins Abwasser um etwa 78 Prozent, der Waschbeutel Guppyfriend um etwa 54 Prozent. Der Beutel wirkte vor allem, indem er das Ablösen der Fasern von der Kleidung verringerte. Die Forschenden weisen darauf hin, dass Fasern auch beim Tragen freigesetzt werden.

Ob Filter auch im Alltag vieler Haushalte wirken, prüften Erdle et al. (2021). In Parry Sound erhielten 97 Haushalte einen Filter, etwa 10 Prozent der an die Kläranlage angeschlossenen Haushalte. Danach fanden die Forschenden deutlich weniger Mikrofasern im gereinigten Abwasser. Im Mittel sammelte sich pro Haushalt und Woche 6,4 Gramm Flusen im Filter. Die EU-Kommission nennt in ihrer EU-Textilstrategie (COM(2022) 141) eine Verringerung um bis zu 80 Prozent. Die Ergebnisse gelten für die getesteten Geräte, nicht für Filter allgemein.

Rechtslage in Frankreich: Gesetz ja, Dekret nein

Artikel 79 des Gesetzes gegen Verschwendung und für Kreislaufwirtschaft (Loi AGEC, Nr. 2020-105) schreibt in der Fassung des Klimagesetzes von 2021 vor: Ab dem 1. Januar 2025 sind neue Waschmaschinen für Haushalte und Gewerbe mit einem Filter für Mikrofasern aus Kunststoff oder einer anderen internen oder externen Lösung auszustatten. Die Einzelheiten soll ein Dekret regeln. Der Entwurf, laut Notifizierung des Dekretentwurfs bei der EU-Kommission im August 2023 bei der EU-Kommission eingereicht, nennt als Punkte unter anderem die Filterleistung, den Betrieb in allen Waschprogrammen und eine Mindestzahl an Zyklen ohne Wartung.

Dieses Dekret war nach der Antwort des französischen Senats vom 1. Oktober 2026 noch nicht erschienen. Als Gründe nennt das zuständige Ministerium: Es sei schwer zu überprüfen, ob Privathaushalte externe Filter tatsächlich einsetzen, warten und ersetzen. Es gebe keine europäische Norm für die Prüfung der Filterleistung. Außerdem könnte die Pflicht den freien Warenverkehr in der EU behindern. Ein Bericht der französischen Umweltinspektion IGEDD von Februar 2024 habe die Grenzen einer Filterpflicht betont und empfohlen, die Frist zu verschieben oder die Regel umzuschreiben und Filter auf EU-Ebene anzugehen.

Was oft behauptet wird

Aussagen wie „Seit Januar 2025 müssen in Frankreich alle neuen Waschmaschinen einen Filter haben“ sind nach diesem Stand so nicht belegt. Die Pflicht steht im Gesetz, wirksam wird sie erst mit dem Dekret.

Was auf EU-Ebene gilt

Die Verordnung (EU) 2023/2055 vom 25. September 2023 beschränkt synthetische Polymermikropartikel, die absichtlich in Produkten vorhanden sind, etwa in Kosmetika oder Granulaten. Das Waschen synthetischer Kleidung nennt sie in Erwägungsgrund 2 als Beispiel für die unbeabsichtigte Entstehung von Mikroplastik, regelt es aber nicht. Als Ziel führt sie die Reduzierung des freigesetzten Mikroplastiks um 30 Prozent bis 2030 aus dem Null-Schadstoff-Aktionsplan an.

Die EU-Textilstrategie (COM(2022) 141) bezeichnet Kunstfasertextilien als eine der Hauptquellen unbeabsichtigt freigesetzten Mikroplastiks. Nach ihren Angaben bestehen rund 60 Prozent der Fasern in Bekleidung aus Kunstfasern, hauptsächlich Polyester, und die größte Menge werde in den ersten fünf bis zehn Waschgängen freigesetzt. Die Kommission plante dort verbindliche Anforderungen an die Produktgestaltung und eine eigene Initiative an. Waschmaschinenfilter erscheinen als eine von mehreren Optionen, außerdem verweist sie auf die laufende Normung (EN ISO 4484). Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 nennt die Freisetzung von Mikroplastik als möglichen Gegenstand von Leistungsanforderungen. Ob daraus konkrete Regeln für Textilien oder Waschmaschinen werden, ist in diesen Texten nicht festgelegt.

Was bei der Wäsche selbst helfen kann

Kelly et al. (2019) fanden bei Polyester, dass ein hohes Verhältnis von Wasser zu Wäsche die Freisetzung am stärksten erhöht. Schonprogramme mit viel Wasser gaben im ersten Waschgang rund 800.000 Fasern mehr ab als ein Standardprogramm mit weniger Wasser. Eine volle Trommel ist dem Ergebnis nach besser als ein Schonwaschgang. Zur Temperatur ist die Lage uneinheitlich: Bei Zambrano et al. (2019) stieg die Freisetzung mit höherer Wassertemperatur und Waschmittel, bei Klasmeier und Wissing (2017) hatten weder Temperatur noch Waschmittel einen erkennbaren Einfluss.

Auch weniger neue Kunstfaserkleidung hilft, weil die Freisetzung nach der Strategie früh am stärksten ist. Das berührt Fast Fashion wie Slow Fashion, also die Frage, wie viel und wie lange Kleidung genutzt wird.

Grenzen: Wohin die Fasern gelangen

Wie viele Fasern tatsächlich im Fluss ankommen, ist unsicher. Klasmeier und Wissing (2017) sahen Hinweise, dass Kläranlagen den weitaus größten Teil zurückhalten, mit großen Unsicherheiten. Ein großer Teil lande wahrscheinlich im Klärschlamm, der auf Felder ausgebracht werden kann. Die Aussage, Kläranlagen filterten Fasern nur teilweise heraus, ist damit zu pauschal. Gavigan et al. (2020) schätzen, dass synthetische Fasern aus dem Waschen heute zusammen mehr in Böden und auf Deponien gelangen als in Gewässer, und halten Vermeidung an der Quelle für wirksamer.

Ein Filter fängt Fasern am Ende der Kette ab, die Menge bestimmt aber, wie Kleidung gemacht wird und wie oft sie ersetzt wird.

Kerngedanke

Wer zur Miete wohnt oder wenig Geld hat, kann Geräte oft nicht selbst wählen oder nachrüsten. Deshalb ist die Frage, ob die Verantwortung bei Haushalten oder bei Herstellern liegt, auch eine soziale Frage.

Quellen: Napper und Thompson (2016), Marine Pollution Bulletin 112 / Hernandez et al. (2017), Environmental Science & Technology 51 / Klasmeier und Wissing (2017), Abschlussbericht Universität Osnabrück für den NLWKN / Zambrano et al. (2019), Marine Pollution Bulletin 142 / Kelly et al. (2019), Environmental Science & Technology 53 / McIlwraith et al. (2019), Marine Pollution Bulletin / Napper et al. (2020), Science of the Total Environment / Gavigan et al. (2020), PLOS ONE 15 / Erdle et al. (2021), Frontiers in Marine Science 8 / Französischer Senat, Schriftliche Frage Nr. 08656 mit Antwort vom 1.10.2026 / EU-Kommission, TRIS-Notifizierung 2023/0513/FR / Verordnung (EU) 2023/2055 / EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien, COM(2022) 141 / Verordnung (EU) 2024/1781 (Ökodesign für nachhaltige Produkte)


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