Zivilcourage


Kompakt erklärt

Zivilcourage bedeutet, in einer schwierigen Situation aktiv einzugreifen, auch wenn das Mut kostet oder unbequem ist. Der Begriff kommt aus dem Französischen und heißt wörtlich „bürgerlicher Mut“. Es geht darum, für andere Menschen oder für eigene Überzeugungen einzustehen, statt wegzusehen, sei es im Alltag oder im politischen Engagement, etwa bei Klimaprotesten, wenn Menschen öffentlich für eine gerechte Klimapolitik einstehen, obwohl das Kritik oder sogar eine Anzeige nach sich ziehen kann. Ein Beispiel aus dem Alltag: Jemand wird in der Bahn rassistisch beleidigt, und eine Person aus der Umgebung spricht die betroffene Person an, fragt zuerst, ob und welche Unterstützung überhaupt gewünscht ist, und bietet erst dann Hilfe an oder holt zusätzliche Hilfe, statt einfach sitzen zu bleiben. So bleibt die betroffene Person handelnder Teil der Situation und wird nicht ungefragt zum Objekt der Rettung gemacht, ein Gedanke, der auch im Konzept des Empowerment mitschwingt. Wichtig: Zivilcourage bedeutet nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Oft ist es sinnvoller, laut zu werden, gezielt andere Personen anzusprechen oder professionelle Hilfe zu holen, statt allein einzugreifen.


Für Neugierige

Rechtlich gibt es in Deutschland keine allgemeine Pflicht zur Zivilcourage, wohl aber eine Pflicht zur Hilfeleistung nach § 323c StGB: Wer in einer Notsituation zumutbare Hilfe unterlässt, macht sich strafbar, wobei „zumutbar“ die eigene Sicherheit einschließt. Sozialpsychologisch wird zögerliches Verhalten oft mit dem sogenannten Bystander-Effekt erklärt, den die Sozialpsycholog*innen Bibb Latané und John Darley in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren erstmals systematisch untersuchten: Je mehr Menschen eine Situation beobachten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Einzelne eingreifen, unter anderem weil sich Verantwortung auf die Gruppe verteilt. Zivilcourage überschneidet sich eng mit Ziviler Ungehorsam, unterscheidet sich aber im Ansatz: Zivilcourage meint meist eine spontane Reaktion, ziviler Ungehorsam einen geplanten, kollektiven Regelverstoß aus politischer Überzeugung.

Quelle: bpb.de, Günther Gugel (2015/2017): Zivilcourage, Themenblätter Nr. 108


Verwandte Begriffe: Ziviler Ungehorsam · Solidarität · Antidiskriminierung · Empowerment




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