Kompakt erklärt
Wasserknappheit beschreibt einen Zustand, in dem die verfügbare Süßwassermenge nicht ausreicht, um den Bedarf von Menschen, Landwirtschaft und Ökosystemen zu decken. Schätzungsweise vier Milliarden Menschen erleben mindestens einmal pro Jahr akute Wasserknappheit. Wasser ist kein selbstverständliches Gut, sondern eine begrenzte Ressource unter wachsendem Druck.
Die Ursachen sind vielfältig: Der Klimawandel verschiebt Niederschlagsmuster, lässt Gletscher als natürliche Wasserspeicher schrumpfen und verstärkt Dürreperioden. Gleichzeitig steigt der Verbrauch durch Bevölkerungswachstum und intensive Landwirtschaft, die rund 70 Prozent des globalen Süßwasserbedarfs ausmacht. Hinzu kommt Wasserverschmutzung durch Industrie und Agrochemikalien.
Das Problem ist ungleich verteilt: Teile Afrikas, Südasiens und des Nahen Ostens sind besonders stark betroffen, obwohl diese Regionen kaum zur globalen Klimakrise beigetragen haben. Wasserknappheit ist damit auch eine Frage der Klimagerechtigkeit und ein zentraler Treiber von Klimamigration.
Für Neugierige
Wissenschaftlich unterscheiden Forschende zwischen physischer Wasserknappheit (zu wenig Wasser vorhanden) und wirtschaftlicher Wasserknappheit (Wasser vorhanden, aber nicht zugänglich wegen fehlender Infrastruktur oder Institutionen). Die Planetaren Grenzen nach Rockström et al. (2009, aktualisiert Richardson et al. 2023) identifizieren den globalen Süßwasserkreislauf als bereits kritisch belastete Systemgrenze.
Der IPCC hält im sechsten Sachstandsbericht (AR6, 2022) fest: Bei 2 Grad globaler Erwärmung wären etwa 8 Prozent der Weltbevölkerung einem deutlich erhöhten Wasserknappheitsrisiko ausgesetzt, bei 4 Grad weit über 14 Prozent. Wasserknappheit ist damit kein isoliertes Ressourcenproblem, sondern eng mit Klimamigration, Ernährungssicherheit und geopolitischen Spannungen verknüpft. Die UN erklärten Zugang zu sauberem Wasser 2010 zum Menschenrecht. Die politische Wirklichkeit zeigt jedoch, dass dieses Recht für Hunderte Millionen Menschen bis heute nicht eingelöst ist.
Quellen: IPCC AR6 Working Group II (2022); Richardson et al.: Planetary Boundaries update (Science Advances, 2023); Mekonnen & Hoekstra (2016), Science Advances; UN General Assembly Resolution A/RES/64/292 (2010).
Verwandte Begriffe: Klimawandel · Planetare Grenzen · Klimamigration · Klimagerechtigkeit · Ökosystemdienstleistungen



